Marc Groß

Er ist Betriebswirt und seit mehr als 20 Jahren in verschiedenen Bereichen der kommunalen Verwaltung tätig. In der Kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement (KGSt) leitet er den Programmbereich Informations- und Organisationsmanagement. Seine inhaltlichen Schwerpunkte innerhalb der KGSt sind Themen rund um die Digitale Kommune, um das Datenmanagement und um die Organisationsmodelle der Zukunft.

Dr. Jens Struckmeier

Er ist promovierter Physiker (RWTH-Aachen und Philipps-Universität Marburg) und Entrepreneur. Bereits als Student hat er 1996 die energetische Planung des ersten Passivhauses in Nordrhein-Westfalen verantwortet. Erfahrungen in der Geräteentwicklung und Softwareentwicklung sammelte er als Entwicklungsleiter für Rastermikroskope in Santa Barbara, USA in den Jahren 2000-2003. Als technischer Kopf und Erfinder hält er zahlreiche Patente. 2009 hat er gemeinsam mit Prof. Fetzer (Systems Engineering –TU Dresden) die Firma Cloud&Heat vormals AoTerra gegründet. Mit ihrem auf der Cebit 2016 eingeführten Produkt “Data Center in a Box” konnte Cloud&Heat im Jahre 2016 den Deutschen Rechenzentrumspreis in der Kategorie “Energie- und Kosteneffiziente Rechenzentren” gewinnen

Wie technologiebasierte Innovationen unsere Lebensräume verändern – Fragen an Gerald Swarat, Keynote-Speaker

Im politischen Diskurs hört man immer wieder, dass die Themen Digitalisierung und Vernetzung vorangetrieben werden müssen. In diesem Kontext wird gerne der Begriff “Smart City” verwendet, der sich in der Realität häufig nur als leere Floskel entpuppt.

Fakt ist, dass nicht nur Städte, sondern auch Kommunen nach zukunftsbeständigen Lösungen für die alltäglichen Probleme ihrer Bürgerinnen und Bürger suchen und am Thema digitale Vernetzung nicht vorbei kommen. Daher werden bereits verschiedene “smarte” Konzepte, wie z. B. die intelligente Steuerung von Straßenbeleuchtung und Lichtsignalanlagen sowie die optimierte Erfassung und Steuerung von Verkehrsströmen erprobt.

Die Sprecher der SMART HABITAT sind keine Theoretiker, die erklären können, was möglich wäre. Sie kennen sich mit dem Thema aus, weil sie entweder selbst Umsetzer sind oder bei der Umsetzung von Projekten geholfen haben. Gerald Swarat ist einer von ihnen und wird eine Keynote darüber halten, wie technologiebasierte Innovationen unsere Lebensräume verändern.

Herr Swarat, könnten Sie sich bitte kurz vorstellen?

Ich leite das neugegründete Berliner Kontaktbüro des Fraunhofer IESE aus Kaiserslautern, bin 35 Jahre alt und von Haus aus Historiker und Germanist. Aus diesem Grund interessieren mich die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Gesellschaft im Allgemeinen und ganz konkret auf unser Leben in den verschiedenen Phasen, was z.B. sowohl die Gemeinschaft, Mobilität, Verwaltung als auch Gesundheit/Pflege umfasst.

Die Uhr lässt sich nicht zurückdrehen. Darum gilt es, die heutige Verantwortung wahrzunehmen und an einer Zukunft zu arbeiten, in die ich auch noch meine kleine Tochter entlassen möchte. Die wird nicht nur analog sein, aber auch nicht nur digital. Wir müssen also Möglichkeiten testen, Grenzen ziehen und neue Perspektiven austarieren. Das gelingt nur, wenn wir uns auf die Lichtung wagen. Und das sollten wir nicht nur Juristen und Informatikern überlassen.

Ihr Interesse gilt Smart Cities und digitalen Dörfern. Wie kam es dazu?

Der Berliner Thinktank Internet & Gesellschaft Collaboratory e.V., Gott hab ihn selig,  hat 2014 das erste Mal in einem zivilgesellschaftlichen Multistakeholder-Ansatz das Thema SMART COUNTRY in die Berliner Digitalblase eingebracht. Ich hatte das Glück, durch Dirk Arendt in die Projektleitung zu rutschen. Wir haben dort festgestellt, dass neben dem häufig aus dem Marketing heraus getriebenen Smart-City-Ansatz großer Konzerne die smarte Region sträflich vernachlässigt wird. Diese besitzt aber viel Potential, und deshalb gilt es, die Kommune und die in ihr lebenden Menschen ins Zentrum der Bemühungen zu rücken.  Dies ist eine der positiven Visionen der digitalen Möglichkeiten.

Das Thema SMART CITY ist in aller Munde. Warum werden ländliche Regionen noch nicht bei der Debatte aktiv berücksichtigt?

Es wird immer davon gesprochen, dass Deutschland seine Stärke aus der regionalen Vielfalt und der über das Land verteilten KMU und Hidden Champions zieht, die natürlich zum Großteil außerhalb der Top 5 der Großstädte liegen. Dennoch – die Regionen sind offenbar der hässliche kleine Bruder der Smart City, das muss man so sagen. „Da leben komische Leute, da riecht es nach Tier, kein Netz, kein Kiez, kein Späti.“ und so weiter…

Zugegeben ist dies etwas überspitzt wiedergegeben, aber so war bis vor einigen Jahren der Grundtenor. Allerdings verändert sich etwas momentan, denn auch wenn die jungen Leute zum Studieren natürlich in die Städte ziehen existiert wieder eine romantisch gefärbte Gegenbewegung. Diese schlägt sich nicht mehr nur in den Zeitschriften nieder, sondern kommt sicherlich auch aus den Städten heraus – Stichwort „Coconat“. Das kann Schule machen, sofern der erweiterte Speckgürtel der großstädtischen Ballungszentren seine Hausaufgaben macht. Ein gutes Beispiel ist Stendal. Erst kürzlich habe ich mit einem Bekannten gesprochen, den es dort hinzieht. Warum auch nicht – günstig und gut wohnen, eine eigene Community aufbauen und 50 Minuten mit der Bahn zum Hauptbahnhof.

Aber natürlich lohnt es sich auch für die Unternehmen nicht unbedingt genügend, die ja bereits in die Smart Cities investieren, in den ländlichen Raum Geld zu stecken. Hier geht es um die Gewährleistung der Daseinsvorsorge, nicht um die Perfektionierung des Hamburgers Hafens.  

Herr Swarat, was war Ihre Motivation, sich aktiv an unserer Konferenz zu beteiligen?

SMART HABITAT ist ein umfassendes Programm, das nicht vorab zwischen Städten, Dörfern und Regionen trennt und direkt die Bewohner in den Mittelpunkt stellt.

Was fehlt Deutschland Ihrer Meinung nach auf dem Weg zum Smart Country?

Es muss ein strategischer Ansatz gefunden werden, der den Willen zeigt und umsetzt, die ländlichen Räume als lebenswerten Lebens- und volkswirtschaftlich bedeutsamen Arbeitsraum zu erhalten. Es ist ein Fehler, sich nur auf die Städte zu fokussieren und das Land abzuwickeln. Da ist auch mittlerweile ein Umdenken erfolgt, allerdings bleibt vieles Stückwerk. Ein Flickenteppich wenig durchdachter Einzellösungen, die sonst nirgendwo funktionieren und geringe Ansprüche an Qualität und Sicherheit haben. Und das führt letztlich nur zu weiterer Frustration der Digitalisierung gegenüber – wobei wir doch momentan vielmehr an einer positiven Vision arbeiten müssen im Angesicht der Debatte um Automatisierung und Robotisierung der Arbeitswelt.

Dazu braucht es die Unterstützung des Bundes ebenso wie eine Kooperative der Länder und Kommunen zur Entwicklung vor Ort. Die Politik muss den Menschen die Sorge vor dem Zurückbleiben nehmen, denn die Zukunft gehört nicht den Codern allein. Das ist der entscheidende Gestaltungsauftrag an die Politik! Die Bürger erwarten Transparenz und Offenheit in den Entscheidungsprozessen sowie Möglichkeiten zur Beteiligung. Das Wissen und die Initiative der Bürger sowie der Unternehmen muss in diese Prozesse einbezogen werden und dies gelingt durch digitale sowie partizipative Verfahren umfassender und transparenter denn je. Wir können es uns nicht leisten, mehr Vertrauen in die demokratischen Repräsentanten, die Entscheider vor Ort und in die eigene Zukunft zu verlieren. Digitalisierung muss für alle da sein, denn sie bedeutet Teilhabe, Chancengleichheit und Zugang zu einer selbstbestimmten  Zukunft!

Wie gestaltet sich Ihrer Meinung nach das Zusammenspiel zwischen Mensch und Technologie in der digitalen Zukunft  in der Stadt und auf dem Land?

Digitale Strategien erhöhen nicht nur den Standortfaktor für die Wirtschaft, sie treiben auch die Verwaltungsmodernisierung in Richtung einer Problemlösungskompetenz und stärken die Zivilgesellschaft, indem sie z. B. politische Partizipation ermöglichen. Denn die Bürger von heute fordern Digitalisierung ein – und das nicht nur von privaten Unternehmen, sondern auch von ihrem Lebensraum, ihrer Stadt, in der sie sich bewegen, kommunizieren, leben und arbeiten. Die Politik muss dafür sorgen, dass die erforderliche Infrastruktur dafür bereitgestellt wird. Denn eine leistungsfähige Internetverbindung ist die Grundlage für das Gelingen der digitalen Transformation.

Auf Konferenzen darf nicht mehr über ein Mindestmaß an Bandbreite diskutiert werden, hier muss es vielmehr um Anwendungen gehen, die über die Banalität von Videokonferenzen hinausgehen. Denn für die in den nächsten Jahren auf den Arbeitsmarkt drängende Generation ist die volle Nutzung der modernen Technik in der Arbeitswelt eine Selbstverständlichkeit. Es geht also darum, die Potenziale der Digitalisierung für den ländlichen Raum im Ganzen zu entdecken, die unabdingbare Einflüsse auf die Lebensqualität der Einwohner haben

Wie stellen Sie sich persönlich den zukünftigen Lebensraum vor?

An einer Antwort zu dieser Frage haben sich schon ganz andere Persönlichkeiten verhoben. Ich denke aber, wir müssen nur sicherstellen, dass die technologischen Möglichkeiten dem Wohl der Menschen, der Gesellschaft und unserer Umwelt dienen und dass der gesellschaftliche Diskurs darüber, wie wir in Zukunft leben wollen, nicht der technologischen Entwicklung hinterherhängt. Digitale Souveränität erlangt eine Gesellschaft nicht von allein und per Knopfdruck. Es hilft wahrscheinlich nur ein langer Atem und ständiges Probieren und aus Fehlern lernen. Denn auch wenn die Digitalisierung schnell ist, so lassen sich Gewohnheiten, Vorurteile, Ängste und Kultur nicht über Nacht ändern.

PD Dr. Ariane Berger

Ariane Berger ist Referentin beim Deutschen Landkreistag und verantwortlich für Fragen der Digitalisierung und der Verwaltungsorganisation. Darüber hinaus begleitet sie als Privatdozentin am Fachbereich Rechtswissenschaft der Freien Universität Berlin die politischen Entwicklungen aus einer wissenschaftlichen Perspektive und ist Autorin zahlreicher Publikationen.

Michael Selle

Er ist Jahrgang 1957, Mathematiker und seit 2013 in der Stadtverwaltung Jena zunächst als CIO und seit 2016 als Leiter Kommunikation tätig. Davor arbeitete er in verschiedenen Softwareunternehmen. Zu seinem Aufgabengebiet gehören u.a. die Bereiche Öffentlichkeitsarbeit, Marketing, Web und Social Media. Für die Bewerbung Jenas als Digitale Stadt by bitkom war er als Projektleiter verantwortlich. Seit 2016 betreibt die Stadt Jena ein OpenData-Portal, welches ebenfalls durch sein Team betreut wird.

Markus Schranner

Markus Schranner ist Mitgründer und Vorstandsvorsitzender von Startup Germany e.V. und dort vor allem für die strategische Ausrichtung verantwortlich. Seine Kernthemen sind dabei Innovation und IT. Die Politik ist sein Steckenpferd.

Alle diese Themen kennt er aus der Praxis. Nachdem er 3 Jahre lang bei der United Technologies Corporation für Prozess- und Veränderungsmanagement verantwortlich war, hat er ein Unternehmen zum politischen Fundraising in den Vereinigten Staaten mit aufgebaut, das unter anderem die Technologie für einen der Präsidentschaftskandidaten im Wahlkampf 2012 gestellt hat.

Seit 2009 hat er außerdem Gründer weltweit dadurch unterstützt, dass er maßgeblich das Format Startup Weekend mitentwickelt und verbreitet hat. Das Format, das mittlerweile von dem US-Fonds Techstars übernommen wurde, hat heute mehr als 3.000 mal weltweit stattgefunden und weit über 150.000 Gründungsinteressierten dabei geholfen sich als Gründer zu versuchen. In Deutschland und Europa hat er das Format vielfach organisiert und moderiert.

Heute lebt Markus Schranner in Berlin und unterstützt neben seinem Engagement für eine lebenswerte Zukunft kleine, mittlere und große Unternehmen dabei, zukunftssicher zu werden und die Digitalisierung ungeachtet des Hypes vernünftig einzusetzen.

Franz-Reinhard Habbel

Franz-Reinhard Habbel arbeitet beim Deutschen Städte- und Gemeindebund als Sprecher und Beigeordneter für politische Grundsatzfragen und ist zugleich Leiter des DStGB-Innovators Club, eines Think-Tanks für Kommunen in Deutschland. Er ist Mitglied des IT-Planungsrates und Vorstandsmitglied der European Society for eGovernment. Seit 2009 ist er Lehrbeauftragter an der Universität Osnabrück, FB Sozialwissenschaft. In seiner Eigenschaft als eGovernment-Experte befasst er sich in Vorträgen im In- und Ausland mit Fragen der Globalisierung, des Internets sowie der Modernisierung von Politik und Verwaltung. Franz-Reinhard Habbel ist Mitherausgeber des Magazins KOMMUNAL. Er lebt mit seiner Familie in Berlin.

Gerald Swarat

Gerald Swarat ist studierter Historiker und Germanist. Er baut seit Anfang 2017 das Berliner Kontaktbüro des Fraunhofer IESE (Kaiserslautern) auf, das ein wichtiger Technologie- und Innovationspartner für die digitale Transformation in den Bereichen Autonomous & Cyber-Physical Systems und Digital Services ist und das Zusammenspiel von eingebetteten Systemen und Informationssystemen in digitalen Ökosystemen erforscht. Swarat koordiniert die Aktivitäten des Instituts in der Bundeshauptstadt rund um die Themen Smart Ecosystems, Industrie 4.0, Datensouveränität und Smart Rural Areas und ist Ansprechpartner für Wissenschaft, Politik und Wirtschaft vor Ort in Berlin. Ein wichtiger Schwerpunkt, den Swarat bereits zuvor aus Berlin unterstützt hat, sind die Themen rund um das Smart-Rural-Areas-Forschungsprogramm, innerhalb dessen die „Digitalen Dörfer“ mit dem Land Rheinland-Pfalz ein Highlight sind. Gerald Swarat hat zuvor diverse Projekte aus dem Bereich der Digitalisierung geleitet, u.a. die Initiative „Digitale Region“ des Internet & Gesellschaft Collaboratory e.V. oder im Wissenschaftsjahr des BMBF. Das Thema Smart City & Smart Region beschäftigt Gerald Swarat u.a. auch im Digital-Gipfel-Prozess der Bundesregierung und als Mitglied im Vorstand des Vereins Kommune 2.0.

Toni Kiel

Nach dem Biotechnologie-Studium und freiberuflicher Beratertätigkeit hat Toni Kiel 2014 plant values gegründet. Die Beratung ist auf Nachhaltigkeit spezialisiert und unterstützt mit Impulsen und langfristiger Begleitung die Transformation von Unternehmen und des Denkens von gesellschaftlichen und politischen Akteuren.
Er widmet sich besonders intensiv den Themen Kreislaufwirtschaft, Nachhaltigkeitsinnovation, der Verbindung von Digitalisierung und Nachhaltigkeit und transformative gesellschaftliche Konzepte und Geschäftsmodelle. Sein Wissen und seine Erfahrung bringt er in Aufträgen als auch ehrenamtlich in kommunale Entwicklungen ein. Zuletzt in der Zukunftsstadt Dresden (BMBF-Projekt) und einem Stakeholder-Dialog zu Dresdens Unternehmen.

Dr. Martina Dressel

Die gebürtige Berlinerin studierte Verfahrenstechnik an der TU Dresden und promovierte in Partikelmesstechnik. Nach einigen Jahren in der Forschung folgte eine Karriere als Führungskraft in der freien Wirtschaft mit Schwerpunkt In-vitro-Diagnostik. Seit nunmehr 15 Jahren begleitet sie Unternehmen und Kommunen bei Prozessoptimierungen. Ihr Schwerpunkt: Online-Kommunikation. Die Netzwerkerin, Autorin und Mentorin wird als Speakerin ihr Fachgebiet Transformation und Digitalisierung aus der praxisnahen Sicht mit Blick auf Smart Habitat darstellen.