Digitalisierung in Stadt und Gemeinde – Anfangen! Vernetzen! Und dann: Machen!

Neben vielen sog. Smart Cities gibt es auch immer mehr Gemeinden, die innovative Ideen auf den kommunalen Weg bringen. Eine davon ist die zum 1. Januar 2017 neu gebildete Verbandsgemeinde Betzdorf-Gebhardshain. Im Rahmen des Projektes “Digitale Dörfer” des Fraunhofer-Instituts für Experimentelles Software Engineering IESE nimmt sich das Team um den Bürgermeister und die Projektkoordinatorin Sarah Brühl der Herausforderung an, eine ganzheitliche digitale Strategie für die Gemeinde und Region mit den Bürgerinnen und Bürgern voranzutreiben.

Im Vorfeld der SMART HABITAT Konferenz haben wir Sarah Brühl zu einem Interview eingeladen und mit ihr über die Teilnahme am Projekt, die Chancen von Digitalisierung in ländlichen Regionen gesprochen.

 

Für diejenigen, die Sie noch nicht kennen. Könnten Sie sich bitte kurz vorstellen?

Seit Ende Juli 2015 bin ich bei der Verbandsgemeinde Betzdorf-Gebhardshain als Projektkoordinatorin für das Projekt „Digitale Dörfer“ und die daraus entstandene lokale Umsetzungskampagne „Betzdorf digital“ verantwortlich. Dabei entstanden und entstehen weiterhin, gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern, digitale Lösungen für den ländlichen Raum.

Zuvor habe ich „Sprach- & Kommunikationswissenschaften“ sowie „Betriebspädagogik & Wissenspsychologie“ an der RWTH Aachen studiert und bin für das Projekt zurück in meine Heimatgemeinde gekehrt.

Das Thema Smart City ist in aller Munde. Warum werden ländliche Regionen noch nicht bei der Debatte aktiv berücksichtigt?

Das weiß ich auch nicht, denn schließlich lebt die Mehrheit der Deutschen mal noch im ländlichen Raum. Eventuell erscheint „das Land“ in seiner vermeintlichen Ödnis unattraktiver oder nicht so hip – oder es gilt das Motto: „in Zukunft werden eh alle Menschen in den Städten und Ballungsräumen leben.“

Vielleicht mag dies mit ein Grund sein, dass viele namhafte IT-Unternehmen das Thema „Smart City“ vorantreiben und auch oftmals als Terminus beanspruchen. Dabei bieten gerade digitale Anwendungen potentiell große Chancen den Unterschied zwischen Stadt und Land zu verwischen. Genug Erprobungsräume gibt es sowohl in der Stadt als auch auf dem Land, zwar in ihren eigenen Spezifika, aber dennoch sind die grundlegenden Bedarfe der Menschen oft ähnlich und man kann durchaus voneinander profitieren.

Was war die Motivation, sich an der Initiative „Digitale Dörfer“ teilzunehmen?

Wir haben uns am Ideenwettbewerb zu den „Digitale Dörfer“ beworben, weil wir schon seit längerer Zeit das Thema „Digitalisierung“ auf unserer kommunalen Agenda haben und unser Bürgermeister dies persönlich auch sehr forciert. In einem tragfähigen und für die gesamte Verbandsgemeinde maßgeschneiderten Geschäftsmodell, hat unsere Wirtschaftsförderung (Regionale Entwicklungsgesellschaft AöR) 2012 ein eigenes Breitbandnetz – das „Bürgernetz“ – gebaut. NetCologne betreibt dieses Netz für die Gemeinde und kümmert sich um die Betreuung der Kunden, aber auch ein Mitarbeiter vor Ort im Rathaus ist Ansprechpartner für die Bürgerinnen und Bürger. Die Besonderheit beim Bürgernetz: Durch jeden neuen Kunden fließt ein finanzieller Anteil zurück an die Gemeinde – damit investiert man sozusagen in die eigene Heimat.

Eine geeignete Infrastruktur war für uns die Grundvoraussetzung, um weitere Dinge im Bereich „Digitalisierung“ anzuschieben. Den demografischen Wandel und die damit verbundenen Probleme, wie Abwanderung, Verlust von Fachkräften, Überalterung, Aufrechterhaltung von Mobilitätsangeboten und Daseinsvorsorge im Blick, fühlen wir uns als Kommune natürlich in der Pflicht diese Dinge anzugehen.

Die Teilnahme und auch die Durchführungen waren und sind ein weiterer Schritt in eine ganzheitliche digitale Strategie für unsere Gemeinden und Region mit Ihren Bürgerinnen und Bürgern. Besonders der Ansatz des „Bürger forschen für Bürger“ und damit die Möglichkeit zur Partizipation ist uns sehr wichtig. Denn es hat sich in unserem Projekt gezeigt: Gerade der soziale Faktor war sehr wichtig. Dies kann nachhaltig zur Vernetzung in der Gemeinde beitragen.

Welchen persönlichen Tipp haben Sie an die Gemeinden in Deutschland, die noch keine Berührungspunkte mit „Smart Habitat“ haben?

Anfangen! Vernetzen! Und dann: Machen!

Es gibt schon viele kommunale „best practices“ in den unterschiedlichsten Bereichen, von denen man lernen kann – niemand muss das Rad neu erfinden. Ein gutes Netzwerk, ein Dialog und Austausch sind hingegen sehr wichtig.

Aber oftmals gibt es auch in der Gemeinde interessierte Menschen, die sich aktiv einbringen können und auch wollen – beteiligen Sie diese, binden Sie sie ein und begeistern Sie sie von der Idee. Multiplikatoren aus der Gemeinde, abseits der Verwaltung, sind immens wichtig – sie überzeugen und aktivieren weitere Bürgerinnen und Bürger.

Wie stellen Sie sich persönlich den zukünftigen Lebensraum vor?

Das ist eine sehr schwierige Frage, die ich nicht zureichend beantworten könnte.

Ich hoffe und wünsche mir, dass wir in Zukunft nicht mehr zwischen Land und Stadt unterscheiden müssen bzw. dass dies nicht mehr relevant ist (als Stichworte exemplarisch „Neue Arbeitsmodelle“, „Neue Mobilitätskonzepte“ etc.). Dass die Digitalisierung viel mehr als gesamtgesellschaftlicher Prozess und nicht als oft beschriebener „Megatrend“ wahrgenommen wird und anstatt der Technologie besonders der soziale Aspekt eines intelligenten Lebensraumes, der den Bürgerinnen und Bürgern nutzt, im Vordergrund steht.

Mehr Informationen:

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Roman Soike

Dipl.-Ing. Roman Soike ist seit knapp 2 Jahren als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Institut für Urbanistik (Difu) im Arbeitsbereich Infrastruktur, Wirtschaft und Finanzen tätig. Bereits in seiner Diplomarbeit an der Technischen Universität Berlin (2013) setzte er sich mit dem Smart City-Diskurs auseinander und nahm eine kritische Untersuchung des das Praxisbeispiels SmartSantander vor. Am Difu beschäftigt er sich vor allem mit den Prozessen und Auswirkungen des Digitalen Wandels auf Städte und Regionen sowie den damit verbundenen Fragen für Kommunen. Dabei liegt der Schwerpunkt seiner Arbeit in den Bereichen Digitale Infrastrukturen, Smart Cities und Governance. Unter anderem arbeitet er in verschiedenen Projekten daran, Handlungsbedarfe und Akzeptanzfragen zu erforschen, die durch digitale Transformationsprozesse in Kommunen entstehen. In einer Analyse aktueller Smart City-Aktivitäten in deutschen Städten untersucht er, auf welche Art und Weise Kommunen eigene Ansätze entwickeln und wie hierzulande allgemein der Stand der Dinge „smarter“ Entwicklungen in der kommunalen Praxis ist. Erkenntnisse aus dieser Untersuchung wird Herr Soike vorstellen.

Auf in die Provinz!

Ein Gastbeitrag von Dagmar Hotze

Liest man von ländlichen Regionen, dann meist im Zusammenhang mit Abwanderung, Überalterung, Schwund und Verfall. Zig Prognosen attestieren Dörfern und Gemeinden, dass sie in naher Zukunft aussterben werden. Sicherlich ist die Situation vielerorts dramatisch: Seit der Wende haben 1,2 Millionen Menschen Brandenburg,  Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Sachsen den Rücken gekehrt und Experten gehen davon aus, dass sich dieser Trend bis 2030 fortsetzt. Im Westen ist das Saarland das größte Sorgenkind: Rund 78.000 Einwohner werden das Bundesland in den nächsten 13 Jahren verlassen. Auch in Rheinland-Pfalz, wo mehr als 50 % der Menschen in Gemeinden bis 10.000 Einwohner leben, besteht akuter Handlungsbedarf, wenn die Daseinsvorsorge weiterhin gesichert und das Leben lebenswert bleiben soll.

Ballungsräume sind an ihrer Kapazitätsgrenze

Währenddessen platzen die Großstädte aus allen Nähten: Hamburg könnte bis 2035 zwischen 57.000 und 116.000 Einwohner hinzugewinnen, Berlin soll bis 2030 um 180.000 Einwohner wachsen, für München wird eine Zunahme von über 370.000 Einwohnern vorhergesagt und Leipzig wird bis dahin wahrscheinlich um 118.000 Einwohner zulegen. Dabei ist es jetzt schon rappelvoll. Wer in einer Metropole zu Stoßzeiten unterwegs ist, der erlebt hautnah, dass die Kapazitäten der Infrastrukturen längst am Limit sind. Dann werden U-Bahnen zu Sardinenbüchsen, durch Straßen rollen Blechlawinen und Radfahrer riskieren ihr Leben. Oh, Du schönes Großstadtleben.

Stadt und Land miteinander vernetzen

Wie könnte eine Alternative zu diesem Irrsinn aussehen? Einerseits gibt es dahinsiechende Landstriche, andererseits überquellende Ballungsräume. Sein Dasein als Pendler zu fristen, ist mit Sicherheit nicht die Zukunft! Im Internetzeitalter muss es möglich sein, die verschiedenen Lebensbereiche (Wohnen, Arbeiten, Bildung, Einkaufen und Freizeit) und Lebensräume (Wohnungen, Arbeitsplätze, Schulen, Universitäten, Einzelhandel, etc.) so miteinander zu vernetzen, dass sich Stadt und Land ergänzen.

Wesentlich nachhaltiger (um dieses Wort ins Spiel zu bringen) wäre es doch, das Beste aus beiden Welten zu vereinen, statt einen Kampf auf Leben und Tod zu führen. Zumal damit auch Fragen nach Teilhabe und Selbstbestimmung verbunden sind. Wieso sind Menschen in ländlichen Regionen „Abgehängte“? Nur weil sie nicht in einer ach so hippen Metropole mit Highspeed-Internet leben? Angesichts der Möglichkeiten, die die Digitalisierung zur Überbrückung von Raum und Zeit und zur Vernetzung bietet, scheint dieser Zustand völlig unzeitgemäß – und darüber hinaus demokratiegefährend.

Leben jenseits der Metropole im Selbstversuch

Ich selbst habe gerade das Leben in einer Metropole (Hamburg) gegen das in einer Kleinstadt (Stendal) getauscht. Wenn man als langjährige Großstadtbewohnerin seinen Freunden und Bekannten kundtut, dass man der Millionen-City den Rücken kehrt und „aufs Land“ zieht, erhält man einen bunten Strauß an Reaktionen, die von „Herrgott, wieso denn das?“ bis „Och, Du hast es gut und entfliehst dem Ganzen!“ reichen. Als ich meinen Umzug in den letzten Wochen durchsickern ließ, konnte die große Mehrheit meinen Entschluss durchaus nachvollziehen. Denn jedem gehen die überquellenden U-Bahnen während der Rush Hour, die volle Innenstadt an Nachmittagen und Wochenenden, der Kampf um KiTa-Platz, Parkplatz & Co., um sein Metropolen-Leben zu organisieren, auf die Nerven. Hinzukommen die überteuerten Mieten, die alle zähneknirschend schlucken, weil es keine preisgünstigen Alternativen gibt. Außerdem hatten sich wenige Monate zuvor bereits zwei aus dem Bekanntenkreis in die Provinz verabschiedet. Der eine nach Nordfriesland, die andere in Richtung Ostseeküste. Beide sind selbständig und können ortsungebunden arbeiten. Warum also nicht die Freiheit nutzen und durch Fortzug mehr Lebensqualität gewinnen, so ihre Überlegung. Bislang hat keiner seine Umsiedlung bereut. Meine angekündigte Stadtflucht war also kein so großes Novum.

Auszug aus der Komfortzone

Nicht, dass ich falsch verstanden werde. In Hamburg kann man ein äußerst komfortables Leben führen. Alles da, sofort und überall, to go und nach Hause. 24/7, immer, stets und ständig. Jetzt auch mit „Elphi“. Meine Herren! Aber mal runterdimmen, dafür musste man mit den Jahren immer weiter rausfahren. Als dann auch noch im Botanischen Garten Einweggrills auftauchten, war es aus. Mit der Zunahme von Rollkoffern findet man sich ab. Aber nun ist Feierabend! 17 Jahre waren schön, doch nun muss ich leider gehen. Aber wohin? Jetzt wurde es spannend. Denn mit dem Umzug war ich gezwungen, meine Komfortzone zu verlassen. Das gefiel mir nicht so wirklich. Einige Schritte mehr zum Frischemarkt, ist ja kein Problem. Auch an kürzere Öffnungszeiten gewöhnt man sich. Aber rattenschnelles Internet? Ist alternativlos. Und nur alle paar Stunden ein Bus oder irgendwann eine Regionalbahn? Geht gar nicht. Von vornherein stand für mich fest: Ein Leben in der Provinz funktioniert nur, wenn digital und mobil alles auf der Höhe der Zeit ist. Damit hatte ich zwei Kriterien, nach denen ich meinen neuen Standort ausgewählt habe und die mich relativ schnell in das rund 41.000 Einwohner zählende Stendal führten. Knapp 50 Minuten von Berlin entfernt, rund zwei Stunden bis nach Hamburg und etwa 45 Minuten bis Magdeburg plus diverse ICE-Anschlüsse – bestens. Sogar nach Amsterdam kann man ohne Umstieg fahren. Hallo, da geht doch was!

Schnelles Internet gibt es ebenfalls, außerdem eine hübsche Innenstadt mit allerlei Geschäften, mehrere Parks und Fahrradstrecken. Und moderner Wohnraum zum kleinen Preis ist auch vorhanden. Bingo. Ich bin gespannt, wie der Alltag wird.

Digitalität und Erreichbarkeit sind entscheidende Faktoren

In den letzten Wochen wurde ich mehrfach angesprochen, ob ich eine Checkliste hätte, anhand der man beurteilen kann, ob eine ländliche Region für einen Umzug in Frage kommt. Nun sind die Präferenzen so verschieden, wie die Menschen, die mit dem Gedanken spielen, ihr Großstadtleben gegen das in einer Kleinstadt oder einem Dorf zu tauschen. Wer Kinder hat, muss naturgemäß nach anderen Kriterien entscheiden, als jemand, der Single ist. Wer einen Job hat, der ortsgebunden ausgeübt werden muss oder bei dem Home Office nicht möglich ist, für den wird es schwierig sein, die Entfernung zu überbrücken. Eine Verallgemeinerung in Form einer Checkliste ist also kaum möglich. Dennoch halte ich aufgrund meiner Erfahrungen folgende Punkte für wesentlich:

  • Wie ist die Breitbandversorgung? Hinweise darauf gibt der Breitbandatlas.
  • Welche Anbindung an ÖPNV und Bahn sind vorhanden? Dazu probeweise auf der Webseite der Bahn den Ort und eine gewünschte Destination eingeben. Außerdem prüfen, ob der Ort in einen überregionalen Verkehrsverbund integriert ist.
  • Welches Wohnraumangebot gibt es? Dabei helfen einschlägige Online-Portale oder Anbieter vor Ort.
  • Wie ist die Versorgung mit Ärzten, Schulen, KiTas, Geschäften und Supermärkten? Hier hilft ein Blick auf Google Maps und die Webseite der Stadt bzw. Gemeinde.

Digitale Regionen vor dem Aufschwung

Vielsagend sind die Reaktionen in Stendal, wenn ich erzähle, dass ich aus Hamburg in die Altmark ziehe bzw. gezogen bin. Manche blicken mich verdutzt an und können anscheinend nicht glauben, dass es so etwas gibt. Dann möchte ich immer laut ausrufen: „Auch in Hamburg kocht man nur mit Wasser!“ Einmal habe ich das auch bereits getan und ein verlegenes Schmunzeln erhalten. Hier ist soviel Lebensqualität, danach werden sich die Bewohner in den gehypten Metropolen in einigen Jahren sehnen, so meine Prognose. Wobei es Stadtflüchtlinge längst in nennenswerter Zahl gibt, nur ist das wenig bekannt. Interessant ist dazu die Untersuchung „Wanderungssalden der deutschen Metropolen“ des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung.

Demnach sollten ländliche Regionen schnellstens Strategien entwickeln, wie sie zu Smart Countries werden können. Dann steht ihrem Aufschwung wenig im Weg. Abgehängt? Von wegen! Stattdessen digital vernetzt und mittendrin!

 

Dagmar Hotze

Dagmar Hotze ist seit 2009 freiberufliche Journalistin im Bereich der Immobilienwirtschaft und hat sich auf Zukunftsthemen der Branche spezialisiert, wozu neben den Herausforderungen der Nachhaltigkeit insbesondere die Digitalisierung und die mit ihr zusammenhängenden Transformationsprozesse gehören. Regelmäßig schreibt sie für immobilienwirtschaftliche Fachmagazine und Unternehmensblogs und dreht außerdem Videos.

André Röder

Er ist Mitgründer und geschäftsführender Gesellschafter der KAPRION Technologies GmbH. Er studierte Informatik an der Technischen Universität Dresden. Mit seinem Unternehmen unterstützt er Mobilitätsdienstleister wie Verkehrsunternehmen und Verkehrsverbünde bei der Vernetzung ihrer Geschäftsprozesse rund um die Verarbeitung elektronischer Tickets. Die dafür erforderlichen Funktionen entwickelt er mit seinem Team und betreibt sie im Auftrag seiner Kunden als „Software-as-a-Service“. Dezentralität und Föderalismus sind ihm dabei ebenso wichtig wie Kooperation und Nachhaltigkeit. Sein Ziel ist es, den Nutzer ins Zentrum der Betrachtung zu setzen. „Smart Mobility“ heißt für ihn verschiedene Mobilitätskonzepte, wie den klassischen ÖPV, Carsharing, Bikesharing oder Ridesharing so zu integrieren, dass der Nutzer sie stets über einen Mobilitätsanbieter seines Vertrauens nutzen kann.

Vortrag: „Smart Energy – Was können Stadtwerke, Städte und Gemeinden tun?“

gehalten von Frank Schilling

„Gestalte Deine eigene nachhaltige Energiewende!“

Energie ist ein Verbraucherthema. Wie geht „smarter“ Energieverbrauch? Was ist dann daran smart?
Strom, Wärme, Mobilität – die Themen werden immer vielfältiger und komplexer und verwobener.

Über das Stichwort Sektorenkopplung wird versucht, alle Energienutzungsformen miteinander zu verbinden. Wie kann der Energiemarkt für den Nutzer transparent, verlässlich, kostengünstig und umweltfreundlich gestaltet werden? Ideen, Ansätze und Impulse rund um das Thema – u.a. zu Wohnquartieren, Energiegenossenschaften, neuen Sharing Modellen.

Frank Schilling

Er ist Geschäftsführer und Gründer der Projektgewinner GmbH, einer Unternehmung der Energiegewinner eG, und schaut auf eine berufliche Laufbahn von mehr als 20 Jahren in den Bereichen der erneuerbaren Energien, Energiemanagement und Energieeffizienz zurück. In der Verantwortung für die strategische und wirtschaftliche Führung von Unternehmen in der Projektentwicklung, Ingenieursplanung und Realisierung von umweltfreundlichen Energieprojekten in Deutschland, Europa und Übersee, schlägt sein Herz insbesondere für die Entwicklung neuer Geschäftsfelder, nachhaltiger Geschäftsideen und der Realisierung von Projekten.
Bis 2016 war er als geschäftsführender Gesellschafter der KWA Eviva GmbH verantwortlich für die Akquisition und Abwicklung von Beratungsprojekten sowie der Entwicklung von umweltfreundlichen Energieprojekten. Für Eviva und Dritte hat er erfolgreich mehrere Erneuerbare-Energie-Projekte entwickelt und hier insbesondere die vertragsrechtlichen, wirtschaftlichen und finanzierungsseitigen Aspekte für die Projekte erarbeitet und gesichert.
Bis 2009 war Herr Schillig als Leiter der internationalen Geschäftsentwicklungstätigkeiten in den Bereichen Bioenergie für Ecofys Germany tätig. Als Senior-Berater und Internationalisierungsmanager hat er für Ecofys Germany seit 2000 in verschiedenen Themenfeldern erneuerbarer Energien gewirkt. Durch seine Geschäftsentwicklungs- und Beratungstätigkeiten im europäischen und lateinamerikanischen (Chile, Mexiko, Peru) Ausland bewegt er sich in sehr unterschiedlichen Energiemärkten und begleitete dort erneuerbare Energievorhaben und deren Umsetzung.
Er hat eine Vielzahl von Artikeln publiziert und als Chairman auf Konferenzen gewirkt. Ebenso ist Herr Schillig Ko-Autor eines Bioenergie-Leitfadens, der in sechs Sprachen europaweit publiziert wurde.
Zudem ist Herr Schillig bei der BAFA-akkreditierter Energieauditor und als Energieexperte für im Bereich Landwirtschaft beim BVLE gelistet.

Vortrag: „Smart Mobility – Wie können Städte und Gemeinden davon profitieren?“

gehalten von Barbara Flügge

Begegnen wir dem Thema Intelligente Mobilität, also Smart Mobility, als Gestaltungselement für unseren Lebensraum und nicht als notwendiges, investitionsintensives Gebilde, öffnet dieser Gedankengang die Tür zu einer umfassenden Betrachtungsweise. In Anlehnung an die natürlichen Lebensräume, den Ökosystemen, lässt sich jeder wirtschaftliche und von Menschen geprägte Lebensraum und seinen Anforderungen abbilden. Der Vortrag führt in die ganzheitliche Betrachtungsweise ein und stellt die sozialen, politischen und betriebswirtschaftlichen Aspekte des Ökosystems Smart Mobility dar.

Vortrag: „Chancen der Digitalisierung für nachhaltige Habitate der Zukunft“

gehalten von Toni Kiel

Paart man das Sustainable Development Goal (SDG) der UN zu „nachhaltigen Städten“ mit dem Megatrend Digitalisierung, ergeben sich enorme Potenziale! Oder sind es doch eher Risiken?
Lassen Sie uns eine Reise machen durch kleine Graswurzel-Beispiele aus Dresden, Initiativen von kleinen und große Kommunen weltweit und aktuelle Gedanken einer gar nicht so fernen Zukunft. Wo können Automatisierung, Künstliche Intelligenz und die Platform Economy Städte und andere Habitate umweltfreundlich und gesellschaftlich gerechter machen? Und welche Rahmen braucht es, damit dies auch funktioniert, damit Sicherheit und Selbstbestimmung gewährleistet bleiben? Was kann die Kommune machen, wo braucht es die Initiative der Bürger?

Vortrag: „Smart Habitat: Die DNA des Erfolgs“

gehalten von Dr. Martina Dressel 

Menschliche Bedürfnisse erkennen, ernst nehmen und Technik darauf zuschneiden

Moderne Technologie verschafft uns heute ein Maß an Komfort und Bequemlichkeit wie noch keiner Generation zuvor. Dennoch sind wir weit davon entfernt, die gesündeste, gelassenste oder glücklichste Generation zu sein. Und nun?
Wir verfügen heute über sämtliche Ressourcen, Fähigkeiten und Technologien, um allen Herausforderungen, vor denen wir stehen, gewachsen zu sein. Das Einzige was uns fehlt, ist das Bewusstsein dafür, welche Rolle wir selbst dabei spielen.
Wie wäre, wenn wir, statt einer Drohkulisse „Künstliche Intelligenz schlägt menschliche“ Aufmerksamkeit zu schenken, auf das Wohlbefinden aller und auf menschliche Potentialentfaltung fokussieren?

Vortrag: „Darmstadt – Gewinnerin des bitkom-Wettbewerbs „Digitale Stadt““

gehalten von Georg Haumann

Bericht zu einem Städtewettbewerb und der anschließenden Umsetzung

Die Wissenschaftsstadt Darmstadt hat den Wettbewerb „Digitale Stadt“ des IT-Branchenverbandes Bitkom in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Städte- und Gemeindebund (DStGB) gewonnen. Der Wettbewerb war Ende November 2016 gestartet und hatte sich zum Ziel gesetzt, eine Vorzeigestadt der Zukunft für digitale Prozesse und Dienstleistungen zu finden. Bewerben konnten sich mittelgroße Städte mit guter Infrastrukturanbindung und Nähe zu einer Hochschule. In der Jury waren Bitkom, Deutsche Telekom, SAP, Software AG, Hewlett Packard Enterprise und Vodafone vertreten. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund stand der Jury beratend zur Seite.

Im zuge dessen wird Darmstadt ein nachhaltiges Programm für den Aufbau der Digitalen Stadt aufsetzen und dabei eine bürgerorientierte Vorgehensweise verfolgen. Dazu werden Diskussionsforen zwischen Bürgerinnen und Bürgern, Stadtwirtschaft und Experten initiiert. Eine Bürgerbeteiligung für das Thema “Digitale Stadt” wird dauerhaft eingerichtet. Oberbürgermeister Partsch fasst dies wie folgt zusammen: „Dabei haben wir immer den Bürgernutzen im Blick. Zugleich wollen wir digitale Möglichkeiten ausschöpfen, um den Alltag in unserer wachsenden Stadt mit knappen Flächenressourcen und hoher Verkehrsdichte noch effizienter als heute zu organisieren. An dieser Stelle treffen sich Digitalisierung und Ökologie.“

Ziel des städtischen Projektmanagements wird es sein, einen möglichst großen Teil der Maßnahmen so aufzusetzen, dass sie auch nach dem Projektzeitraum weiterverfolgt und nachhaltig entwickelt werden. Dafür erfolgt eine enge Abstimmung mit den unterstützenden Digitalunternehmen. Es ist beabsichtigt, dass die Mittel für das Projektmanagement gemeinsam durch die Stadt und das Land Hessen bereitgestellt werden und die Anschlussfinanzierung – nach Ende der pro bono Leistungen – durch die Stadt.

Ab Anfang 2018 werden Bereiche wie der Verkehrssektor, die Energieversorgung, Schulen und das Gesundheitswesen mit neuesten digitalen Technologien ausgerüstet. Zudem sollen künftig die öffentliche Verwaltung innovative Online-Anwendungen und der Handel intelligente Lieferdienste anbieten können. Auch die Telekommunikationsnetze sollen ausgebaut und verbessert werden. In der Umsetzung wird eine größtmögliche Vernetzung von bestehenden und auch zukünftigen Lösungsansätzen angestrebt.