Mit Open Data die Stadt verbessern

Ein Gastbeitrag von Noel Schäfer

Wer den Begriff “Open Data” zum ersten mal hört, versteht zunächst mit Sicherheit nur Bahnhof. Offene Daten – zu Deutsch – macht es ein wenig einfacher, klärt aber noch nicht abschließend den Sinn hinter der Begrifflichkeit auf. Mit diesem Beitrag möchte ich etwas Licht ins Dunkle bringen und über den Sinn und Hintergrund von offenen Daten aufklären und den Nutzen sowohl für Stadt(verwaltung) als auch Bürgerinnen und Bürgern näher erläutern.

Daten fallen in unserem Alltag ständig an, der Digitalisierung verdanken wir es, dass jede Handlung, jeder Klick, jeder Vorgang, einfach alles dokumentiert wird. Häufig verschwinden die Daten in den endlosen Weiten der Speichermedien, oftmals werden sie aber gezielt abgespeichert und weiter verwertet. Doch nicht alle Daten werden vollumfänglich ausgewertet und genutzt. Manche Nutzungsszenarien sind einfach nicht vorgesehen oder wurden von den Auftraggebern schlicht und einfach nicht bedacht oder werden für unnötig gehalten. Open Data verändert den Ansatz und krempelt diesen gänzlich um, denn ganz ohne Ziel können findige Nutzer mit anfallenden „offenen Daten“ neue Erkenntnisse zu Tage fördern und für die Allgemeinheit zugänglich machen.

Ein Paradebeispiel für offene Daten lässt sich in den Weiten der digitalen Verwaltungsstruktur der Stadt Moers finden. Wer dem Bürgerservice der kleinsten Großstadt Deutschlands einen Besuch abstattet, um zum Beispiel seinen Reisepass zu verlängern, muss sich – nicht ungewöhnlich – eine Wartemarke ziehen. Ungewöhnlich wird es aber spätestens ab dem Punkt, an dem der Bürger sich jetzt nicht auf einen der Sitzplätze im Rathaus setzt, sondern für einen kurz Spaziergang in die Innenstadt geht. Dank offenen Daten kann der Wartende nämlich nun über sein Smartphone in Echtzeit sehen, welche Nummer gerade und als nächstes an der Reihe ist.

Gehen wir noch einmal ein paar Schritte zurück. Denn spätestens, wenn man weiß, dass nicht die Stadt Moers für die smarte Applikation verantwortlich ist, sondern ein Entwickler aus Berlin mit den Daten der Stadt eine solche Anwendung gebaut hat, merkt man, welche ungeheure, ja, man kann es fast Kraft nennen, in den doch meist unscheinbaren Datensätzen liegt. Thomas Tursics hat sich ganz einfach den Datensatz aus dem Portal für offene Daten der Stadt Moers heruntergeladen und in eine Applikation implementiert, die quasi die digitale Anzeigetafel, die im Bürger Service hängt, auf einer Webseite anzeigt. Doch nicht nur das, das Programm des Berliners wertet vollautomatisiert alle gezogenen Nummern aus. Damit lässt sich sagen, wann der beste Zeitpunkt für einen Gang zum Bürger Service ist und wann man lieber Zuhause bleiben sollte.

Die Idee hinter offenen Daten ist jedoch keine Einbahnstraße, sondern richtet sich auch aktiv an andere Datensätze, die der Stadt und ihren Bürgern nützen könnte. So sind natürlich auch Firmen gefragt, sinnvolle Datensätze in das Portal für offene Daten hochzuladen, damit findige Tüftler davon profitieren können. In der Stadt Moers gibt es beispielsweise einen virtuellen Stadtrundgang, mit dem sowohl Bürger als auch Interessierte und Besucher rund um die Uhr und von jedem Ort der Welt einen Spaziergang durch die Innenstadt machen können. Dabei können Nutzer sogar in einige Geschäfte schauen, dass Schlosstheater besuchen oder die Sehenswürdigkeiten der Stadt erkunden.

Die Firma telepano, Produzent des virtuellen Stadtrundgangs, liefert in einem Datensatz alle Parameter, die notwendig sind, um die einzelnen Panoramaaufnahmen des virtuellen Rundgangs direkt anzusteuern. Gepaart mit einem Datensatz, in dem Einzelhändler ihre Öffnungszeiten und weitere Eckdaten über ihr Gewebe offenlegen, ist so eine App entstanden, die praktischerweise einen Überblick über die Geschäfte in der Moerser Innenstadt bietet. Lennart Fischer, Mitglied von Code for Niederrhein, steckt hinter der oben beschriebenen App und hat dank Open Data kaum Aktualisierungsaufwand. Da die Daten im offenen Datenportal zentral gebündelt sind und dort oder auf anderen Plattformen, wie z. B. github, auch aktualisiert werden, wird auch automatisch die App des jungen Moersers aktualisiert.

Open Data steckt noch in den Kinderschuhen und ist in noch nicht in allen Verwaltungen deutscher Städte angekommen, zeigt dennoch sein ungeheures potenzial in bereits umgesetzten Projekten. Es ist durchaus erstrebenswert an diesem Modell weiterzuarbeiten und sowohl Städte und Gemeinden als auch lokale und regionale Unternehmen davon zu überzeugen, Daten nicht einfach ungenutzt „herumliegen“ zu lassen sondern in solche Datenportale einzuspeisen. Ermöglicht es doch unzählige Anwendungen, einen ungeahnten Erkenntnissgewinn über Komplexe Vorgänge oder einfach eine Optimierung der Bürger-Stadt-Beziehung.

Es bleibt und ist spannend, welche Anwendungen wir neben „Trinkwasserqualität“, „Geburten- und Sterberaten“, „Verkehrsverstöße“, „Wahlauswertungen“ und vielen mehr in Moers noch sehen werden.

Weitere Infos zum Thema lassen sich auf OFFENES DATENPORTAL MOERS, OPEN DATA MOERS und CODEFORNIEDRRHEIN finden.

https://www.moers.de/de/rathaus/offene-daten-moers/

https://www.offenesdatenportal.de/organization/moers

http://www.codeforniederrhein.de/projekte/

Über den Autor:

Noel Schäfer hat sich nach seinem Abitur im Oktober 2014 selbstständig gemacht und führt heute eine Digitalagentur mit den Schwerpunkten Online-Marketing und virtuelle 360°-Rundgänge. Neben seinem Studium an der Universität Düsseldorf unterstützt der 22 Jährige kleine- und Mittelständische Unternehmen mit Workshops und Schulungen bei der Nutzung digitaler Medien.

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