Digitalisierung in Stadt und Gemeinde – Anfangen! Vernetzen! Und dann: Machen!

Neben vielen sog. Smart Cities gibt es auch immer mehr Gemeinden, die innovative Ideen auf den kommunalen Weg bringen. Eine davon ist die zum 1. Januar 2017 neu gebildete Verbandsgemeinde Betzdorf-Gebhardshain. Im Rahmen des Projektes “Digitale Dörfer” des Fraunhofer-Instituts für Experimentelles Software Engineering IESE nimmt sich das Team um den Bürgermeister und die Projektkoordinatorin Sarah Brühl der Herausforderung an, eine ganzheitliche digitale Strategie für die Gemeinde und Region mit den Bürgerinnen und Bürgern voranzutreiben.

Im Vorfeld der SMART HABITAT Konferenz haben wir Sarah Brühl zu einem Interview eingeladen und mit ihr über die Teilnahme am Projekt, die Chancen von Digitalisierung in ländlichen Regionen gesprochen.

 

Für diejenigen, die Sie noch nicht kennen. Könnten Sie sich bitte kurz vorstellen?

Seit Ende Juli 2015 bin ich bei der Verbandsgemeinde Betzdorf-Gebhardshain als Projektkoordinatorin für das Projekt „Digitale Dörfer“ und die daraus entstandene lokale Umsetzungskampagne „Betzdorf digital“ verantwortlich. Dabei entstanden und entstehen weiterhin, gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern, digitale Lösungen für den ländlichen Raum.

Zuvor habe ich „Sprach- & Kommunikationswissenschaften“ sowie „Betriebspädagogik & Wissenspsychologie“ an der RWTH Aachen studiert und bin für das Projekt zurück in meine Heimatgemeinde gekehrt.

Das Thema Smart City ist in aller Munde. Warum werden ländliche Regionen noch nicht bei der Debatte aktiv berücksichtigt?

Das weiß ich auch nicht, denn schließlich lebt die Mehrheit der Deutschen mal noch im ländlichen Raum. Eventuell erscheint „das Land“ in seiner vermeintlichen Ödnis unattraktiver oder nicht so hip – oder es gilt das Motto: „in Zukunft werden eh alle Menschen in den Städten und Ballungsräumen leben.“

Vielleicht mag dies mit ein Grund sein, dass viele namhafte IT-Unternehmen das Thema „Smart City“ vorantreiben und auch oftmals als Terminus beanspruchen. Dabei bieten gerade digitale Anwendungen potentiell große Chancen den Unterschied zwischen Stadt und Land zu verwischen. Genug Erprobungsräume gibt es sowohl in der Stadt als auch auf dem Land, zwar in ihren eigenen Spezifika, aber dennoch sind die grundlegenden Bedarfe der Menschen oft ähnlich und man kann durchaus voneinander profitieren.

Was war die Motivation, sich an der Initiative „Digitale Dörfer“ teilzunehmen?

Wir haben uns am Ideenwettbewerb zu den „Digitale Dörfer“ beworben, weil wir schon seit längerer Zeit das Thema „Digitalisierung“ auf unserer kommunalen Agenda haben und unser Bürgermeister dies persönlich auch sehr forciert. In einem tragfähigen und für die gesamte Verbandsgemeinde maßgeschneiderten Geschäftsmodell, hat unsere Wirtschaftsförderung (Regionale Entwicklungsgesellschaft AöR) 2012 ein eigenes Breitbandnetz – das „Bürgernetz“ – gebaut. NetCologne betreibt dieses Netz für die Gemeinde und kümmert sich um die Betreuung der Kunden, aber auch ein Mitarbeiter vor Ort im Rathaus ist Ansprechpartner für die Bürgerinnen und Bürger. Die Besonderheit beim Bürgernetz: Durch jeden neuen Kunden fließt ein finanzieller Anteil zurück an die Gemeinde – damit investiert man sozusagen in die eigene Heimat.

Eine geeignete Infrastruktur war für uns die Grundvoraussetzung, um weitere Dinge im Bereich „Digitalisierung“ anzuschieben. Den demografischen Wandel und die damit verbundenen Probleme, wie Abwanderung, Verlust von Fachkräften, Überalterung, Aufrechterhaltung von Mobilitätsangeboten und Daseinsvorsorge im Blick, fühlen wir uns als Kommune natürlich in der Pflicht diese Dinge anzugehen.

Die Teilnahme und auch die Durchführungen waren und sind ein weiterer Schritt in eine ganzheitliche digitale Strategie für unsere Gemeinden und Region mit Ihren Bürgerinnen und Bürgern. Besonders der Ansatz des „Bürger forschen für Bürger“ und damit die Möglichkeit zur Partizipation ist uns sehr wichtig. Denn es hat sich in unserem Projekt gezeigt: Gerade der soziale Faktor war sehr wichtig. Dies kann nachhaltig zur Vernetzung in der Gemeinde beitragen.

Welchen persönlichen Tipp haben Sie an die Gemeinden in Deutschland, die noch keine Berührungspunkte mit „Smart Habitat“ haben?

Anfangen! Vernetzen! Und dann: Machen!

Es gibt schon viele kommunale „best practices“ in den unterschiedlichsten Bereichen, von denen man lernen kann – niemand muss das Rad neu erfinden. Ein gutes Netzwerk, ein Dialog und Austausch sind hingegen sehr wichtig.

Aber oftmals gibt es auch in der Gemeinde interessierte Menschen, die sich aktiv einbringen können und auch wollen – beteiligen Sie diese, binden Sie sie ein und begeistern Sie sie von der Idee. Multiplikatoren aus der Gemeinde, abseits der Verwaltung, sind immens wichtig – sie überzeugen und aktivieren weitere Bürgerinnen und Bürger.

Wie stellen Sie sich persönlich den zukünftigen Lebensraum vor?

Das ist eine sehr schwierige Frage, die ich nicht zureichend beantworten könnte.

Ich hoffe und wünsche mir, dass wir in Zukunft nicht mehr zwischen Land und Stadt unterscheiden müssen bzw. dass dies nicht mehr relevant ist (als Stichworte exemplarisch „Neue Arbeitsmodelle“, „Neue Mobilitätskonzepte“ etc.). Dass die Digitalisierung viel mehr als gesamtgesellschaftlicher Prozess und nicht als oft beschriebener „Megatrend“ wahrgenommen wird und anstatt der Technologie besonders der soziale Aspekt eines intelligenten Lebensraumes, der den Bürgerinnen und Bürgern nutzt, im Vordergrund steht.

Mehr Informationen:

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Auf in die Provinz!

Ein Gastbeitrag von Dagmar Hotze

Liest man von ländlichen Regionen, dann meist im Zusammenhang mit Abwanderung, Überalterung, Schwund und Verfall. Zig Prognosen attestieren Dörfern und Gemeinden, dass sie in naher Zukunft aussterben werden. Sicherlich ist die Situation vielerorts dramatisch: Seit der Wende haben 1,2 Millionen Menschen Brandenburg,  Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Sachsen den Rücken gekehrt und Experten gehen davon aus, dass sich dieser Trend bis 2030 fortsetzt. Im Westen ist das Saarland das größte Sorgenkind: Rund 78.000 Einwohner werden das Bundesland in den nächsten 13 Jahren verlassen. Auch in Rheinland-Pfalz, wo mehr als 50 % der Menschen in Gemeinden bis 10.000 Einwohner leben, besteht akuter Handlungsbedarf, wenn die Daseinsvorsorge weiterhin gesichert und das Leben lebenswert bleiben soll.

Ballungsräume sind an ihrer Kapazitätsgrenze

Währenddessen platzen die Großstädte aus allen Nähten: Hamburg könnte bis 2035 zwischen 57.000 und 116.000 Einwohner hinzugewinnen, Berlin soll bis 2030 um 180.000 Einwohner wachsen, für München wird eine Zunahme von über 370.000 Einwohnern vorhergesagt und Leipzig wird bis dahin wahrscheinlich um 118.000 Einwohner zulegen. Dabei ist es jetzt schon rappelvoll. Wer in einer Metropole zu Stoßzeiten unterwegs ist, der erlebt hautnah, dass die Kapazitäten der Infrastrukturen längst am Limit sind. Dann werden U-Bahnen zu Sardinenbüchsen, durch Straßen rollen Blechlawinen und Radfahrer riskieren ihr Leben. Oh, Du schönes Großstadtleben.

Stadt und Land miteinander vernetzen

Wie könnte eine Alternative zu diesem Irrsinn aussehen? Einerseits gibt es dahinsiechende Landstriche, andererseits überquellende Ballungsräume. Sein Dasein als Pendler zu fristen, ist mit Sicherheit nicht die Zukunft! Im Internetzeitalter muss es möglich sein, die verschiedenen Lebensbereiche (Wohnen, Arbeiten, Bildung, Einkaufen und Freizeit) und Lebensräume (Wohnungen, Arbeitsplätze, Schulen, Universitäten, Einzelhandel, etc.) so miteinander zu vernetzen, dass sich Stadt und Land ergänzen.

Wesentlich nachhaltiger (um dieses Wort ins Spiel zu bringen) wäre es doch, das Beste aus beiden Welten zu vereinen, statt einen Kampf auf Leben und Tod zu führen. Zumal damit auch Fragen nach Teilhabe und Selbstbestimmung verbunden sind. Wieso sind Menschen in ländlichen Regionen „Abgehängte“? Nur weil sie nicht in einer ach so hippen Metropole mit Highspeed-Internet leben? Angesichts der Möglichkeiten, die die Digitalisierung zur Überbrückung von Raum und Zeit und zur Vernetzung bietet, scheint dieser Zustand völlig unzeitgemäß – und darüber hinaus demokratiegefährend.

Leben jenseits der Metropole im Selbstversuch

Ich selbst habe gerade das Leben in einer Metropole (Hamburg) gegen das in einer Kleinstadt (Stendal) getauscht. Wenn man als langjährige Großstadtbewohnerin seinen Freunden und Bekannten kundtut, dass man der Millionen-City den Rücken kehrt und „aufs Land“ zieht, erhält man einen bunten Strauß an Reaktionen, die von „Herrgott, wieso denn das?“ bis „Och, Du hast es gut und entfliehst dem Ganzen!“ reichen. Als ich meinen Umzug in den letzten Wochen durchsickern ließ, konnte die große Mehrheit meinen Entschluss durchaus nachvollziehen. Denn jedem gehen die überquellenden U-Bahnen während der Rush Hour, die volle Innenstadt an Nachmittagen und Wochenenden, der Kampf um KiTa-Platz, Parkplatz & Co., um sein Metropolen-Leben zu organisieren, auf die Nerven. Hinzukommen die überteuerten Mieten, die alle zähneknirschend schlucken, weil es keine preisgünstigen Alternativen gibt. Außerdem hatten sich wenige Monate zuvor bereits zwei aus dem Bekanntenkreis in die Provinz verabschiedet. Der eine nach Nordfriesland, die andere in Richtung Ostseeküste. Beide sind selbständig und können ortsungebunden arbeiten. Warum also nicht die Freiheit nutzen und durch Fortzug mehr Lebensqualität gewinnen, so ihre Überlegung. Bislang hat keiner seine Umsiedlung bereut. Meine angekündigte Stadtflucht war also kein so großes Novum.

Auszug aus der Komfortzone

Nicht, dass ich falsch verstanden werde. In Hamburg kann man ein äußerst komfortables Leben führen. Alles da, sofort und überall, to go und nach Hause. 24/7, immer, stets und ständig. Jetzt auch mit „Elphi“. Meine Herren! Aber mal runterdimmen, dafür musste man mit den Jahren immer weiter rausfahren. Als dann auch noch im Botanischen Garten Einweggrills auftauchten, war es aus. Mit der Zunahme von Rollkoffern findet man sich ab. Aber nun ist Feierabend! 17 Jahre waren schön, doch nun muss ich leider gehen. Aber wohin? Jetzt wurde es spannend. Denn mit dem Umzug war ich gezwungen, meine Komfortzone zu verlassen. Das gefiel mir nicht so wirklich. Einige Schritte mehr zum Frischemarkt, ist ja kein Problem. Auch an kürzere Öffnungszeiten gewöhnt man sich. Aber rattenschnelles Internet? Ist alternativlos. Und nur alle paar Stunden ein Bus oder irgendwann eine Regionalbahn? Geht gar nicht. Von vornherein stand für mich fest: Ein Leben in der Provinz funktioniert nur, wenn digital und mobil alles auf der Höhe der Zeit ist. Damit hatte ich zwei Kriterien, nach denen ich meinen neuen Standort ausgewählt habe und die mich relativ schnell in das rund 41.000 Einwohner zählende Stendal führten. Knapp 50 Minuten von Berlin entfernt, rund zwei Stunden bis nach Hamburg und etwa 45 Minuten bis Magdeburg plus diverse ICE-Anschlüsse – bestens. Sogar nach Amsterdam kann man ohne Umstieg fahren. Hallo, da geht doch was!

Schnelles Internet gibt es ebenfalls, außerdem eine hübsche Innenstadt mit allerlei Geschäften, mehrere Parks und Fahrradstrecken. Und moderner Wohnraum zum kleinen Preis ist auch vorhanden. Bingo. Ich bin gespannt, wie der Alltag wird.

Digitalität und Erreichbarkeit sind entscheidende Faktoren

In den letzten Wochen wurde ich mehrfach angesprochen, ob ich eine Checkliste hätte, anhand der man beurteilen kann, ob eine ländliche Region für einen Umzug in Frage kommt. Nun sind die Präferenzen so verschieden, wie die Menschen, die mit dem Gedanken spielen, ihr Großstadtleben gegen das in einer Kleinstadt oder einem Dorf zu tauschen. Wer Kinder hat, muss naturgemäß nach anderen Kriterien entscheiden, als jemand, der Single ist. Wer einen Job hat, der ortsgebunden ausgeübt werden muss oder bei dem Home Office nicht möglich ist, für den wird es schwierig sein, die Entfernung zu überbrücken. Eine Verallgemeinerung in Form einer Checkliste ist also kaum möglich. Dennoch halte ich aufgrund meiner Erfahrungen folgende Punkte für wesentlich:

  • Wie ist die Breitbandversorgung? Hinweise darauf gibt der Breitbandatlas.
  • Welche Anbindung an ÖPNV und Bahn sind vorhanden? Dazu probeweise auf der Webseite der Bahn den Ort und eine gewünschte Destination eingeben. Außerdem prüfen, ob der Ort in einen überregionalen Verkehrsverbund integriert ist.
  • Welches Wohnraumangebot gibt es? Dabei helfen einschlägige Online-Portale oder Anbieter vor Ort.
  • Wie ist die Versorgung mit Ärzten, Schulen, KiTas, Geschäften und Supermärkten? Hier hilft ein Blick auf Google Maps und die Webseite der Stadt bzw. Gemeinde.

Digitale Regionen vor dem Aufschwung

Vielsagend sind die Reaktionen in Stendal, wenn ich erzähle, dass ich aus Hamburg in die Altmark ziehe bzw. gezogen bin. Manche blicken mich verdutzt an und können anscheinend nicht glauben, dass es so etwas gibt. Dann möchte ich immer laut ausrufen: „Auch in Hamburg kocht man nur mit Wasser!“ Einmal habe ich das auch bereits getan und ein verlegenes Schmunzeln erhalten. Hier ist soviel Lebensqualität, danach werden sich die Bewohner in den gehypten Metropolen in einigen Jahren sehnen, so meine Prognose. Wobei es Stadtflüchtlinge längst in nennenswerter Zahl gibt, nur ist das wenig bekannt. Interessant ist dazu die Untersuchung „Wanderungssalden der deutschen Metropolen“ des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung.

Demnach sollten ländliche Regionen schnellstens Strategien entwickeln, wie sie zu Smart Countries werden können. Dann steht ihrem Aufschwung wenig im Weg. Abgehängt? Von wegen! Stattdessen digital vernetzt und mittendrin!

 

Dagmar Hotze

Dagmar Hotze ist seit 2009 freiberufliche Journalistin im Bereich der Immobilienwirtschaft und hat sich auf Zukunftsthemen der Branche spezialisiert, wozu neben den Herausforderungen der Nachhaltigkeit insbesondere die Digitalisierung und die mit ihr zusammenhängenden Transformationsprozesse gehören. Regelmäßig schreibt sie für immobilienwirtschaftliche Fachmagazine und Unternehmensblogs und dreht außerdem Videos.

Mit Open Data die Stadt verbessern

Ein Gastbeitrag von Noel Schäfer

Wer den Begriff “Open Data” zum ersten mal hört, versteht zunächst mit Sicherheit nur Bahnhof. Offene Daten – zu Deutsch – macht es ein wenig einfacher, klärt aber noch nicht abschließend den Sinn hinter der Begrifflichkeit auf. Mit diesem Beitrag möchte ich etwas Licht ins Dunkle bringen und über den Sinn und Hintergrund von offenen Daten aufklären und den Nutzen sowohl für Stadt(verwaltung) als auch Bürgerinnen und Bürgern näher erläutern.

Daten fallen in unserem Alltag ständig an, der Digitalisierung verdanken wir es, dass jede Handlung, jeder Klick, jeder Vorgang, einfach alles dokumentiert wird. Häufig verschwinden die Daten in den endlosen Weiten der Speichermedien, oftmals werden sie aber gezielt abgespeichert und weiter verwertet. Doch nicht alle Daten werden vollumfänglich ausgewertet und genutzt. Manche Nutzungsszenarien sind einfach nicht vorgesehen oder wurden von den Auftraggebern schlicht und einfach nicht bedacht oder werden für unnötig gehalten. Open Data verändert den Ansatz und krempelt diesen gänzlich um, denn ganz ohne Ziel können findige Nutzer mit anfallenden „offenen Daten“ neue Erkenntnisse zu Tage fördern und für die Allgemeinheit zugänglich machen.

Ein Paradebeispiel für offene Daten lässt sich in den Weiten der digitalen Verwaltungsstruktur der Stadt Moers finden. Wer dem Bürgerservice der kleinsten Großstadt Deutschlands einen Besuch abstattet, um zum Beispiel seinen Reisepass zu verlängern, muss sich – nicht ungewöhnlich – eine Wartemarke ziehen. Ungewöhnlich wird es aber spätestens ab dem Punkt, an dem der Bürger sich jetzt nicht auf einen der Sitzplätze im Rathaus setzt, sondern für einen kurz Spaziergang in die Innenstadt geht. Dank offenen Daten kann der Wartende nämlich nun über sein Smartphone in Echtzeit sehen, welche Nummer gerade und als nächstes an der Reihe ist.

Gehen wir noch einmal ein paar Schritte zurück. Denn spätestens, wenn man weiß, dass nicht die Stadt Moers für die smarte Applikation verantwortlich ist, sondern ein Entwickler aus Berlin mit den Daten der Stadt eine solche Anwendung gebaut hat, merkt man, welche ungeheure, ja, man kann es fast Kraft nennen, in den doch meist unscheinbaren Datensätzen liegt. Thomas Tursics hat sich ganz einfach den Datensatz aus dem Portal für offene Daten der Stadt Moers heruntergeladen und in eine Applikation implementiert, die quasi die digitale Anzeigetafel, die im Bürger Service hängt, auf einer Webseite anzeigt. Doch nicht nur das, das Programm des Berliners wertet vollautomatisiert alle gezogenen Nummern aus. Damit lässt sich sagen, wann der beste Zeitpunkt für einen Gang zum Bürger Service ist und wann man lieber Zuhause bleiben sollte.

Die Idee hinter offenen Daten ist jedoch keine Einbahnstraße, sondern richtet sich auch aktiv an andere Datensätze, die der Stadt und ihren Bürgern nützen könnte. So sind natürlich auch Firmen gefragt, sinnvolle Datensätze in das Portal für offene Daten hochzuladen, damit findige Tüftler davon profitieren können. In der Stadt Moers gibt es beispielsweise einen virtuellen Stadtrundgang, mit dem sowohl Bürger als auch Interessierte und Besucher rund um die Uhr und von jedem Ort der Welt einen Spaziergang durch die Innenstadt machen können. Dabei können Nutzer sogar in einige Geschäfte schauen, dass Schlosstheater besuchen oder die Sehenswürdigkeiten der Stadt erkunden.

Die Firma telepano, Produzent des virtuellen Stadtrundgangs, liefert in einem Datensatz alle Parameter, die notwendig sind, um die einzelnen Panoramaaufnahmen des virtuellen Rundgangs direkt anzusteuern. Gepaart mit einem Datensatz, in dem Einzelhändler ihre Öffnungszeiten und weitere Eckdaten über ihr Gewebe offenlegen, ist so eine App entstanden, die praktischerweise einen Überblick über die Geschäfte in der Moerser Innenstadt bietet. Lennart Fischer, Mitglied von Code for Niederrhein, steckt hinter der oben beschriebenen App und hat dank Open Data kaum Aktualisierungsaufwand. Da die Daten im offenen Datenportal zentral gebündelt sind und dort oder auf anderen Plattformen, wie z. B. github, auch aktualisiert werden, wird auch automatisch die App des jungen Moersers aktualisiert.

Open Data steckt noch in den Kinderschuhen und ist in noch nicht in allen Verwaltungen deutscher Städte angekommen, zeigt dennoch sein ungeheures potenzial in bereits umgesetzten Projekten. Es ist durchaus erstrebenswert an diesem Modell weiterzuarbeiten und sowohl Städte und Gemeinden als auch lokale und regionale Unternehmen davon zu überzeugen, Daten nicht einfach ungenutzt „herumliegen“ zu lassen sondern in solche Datenportale einzuspeisen. Ermöglicht es doch unzählige Anwendungen, einen ungeahnten Erkenntnissgewinn über Komplexe Vorgänge oder einfach eine Optimierung der Bürger-Stadt-Beziehung.

Es bleibt und ist spannend, welche Anwendungen wir neben „Trinkwasserqualität“, „Geburten- und Sterberaten“, „Verkehrsverstöße“, „Wahlauswertungen“ und vielen mehr in Moers noch sehen werden.

Weitere Infos zum Thema lassen sich auf OFFENES DATENPORTAL MOERS, OPEN DATA MOERS und CODEFORNIEDRRHEIN finden.

https://www.moers.de/de/rathaus/offene-daten-moers/

https://www.offenesdatenportal.de/organization/moers

http://www.codeforniederrhein.de/projekte/

Über den Autor:

Noel Schäfer hat sich nach seinem Abitur im Oktober 2014 selbstständig gemacht und führt heute eine Digitalagentur mit den Schwerpunkten Online-Marketing und virtuelle 360°-Rundgänge. Neben seinem Studium an der Universität Düsseldorf unterstützt der 22 Jährige kleine- und Mittelständische Unternehmen mit Workshops und Schulungen bei der Nutzung digitaler Medien.

Digitalisierung und Demokratie – Die Rolle des technischen Fortschritts bei aktuellen gesellschaftlichen Fragen

Ein Gastbeitrag von Stefan Gauly

Politikverdrossenheit, der Erfolg populistischer Parteien bei den letzten Wahlen, Verödung ganzer Regionen und ein drohender Burnout vieler Städte – die Fragen und Verunsicherungen einer Vielzahl von Deutschen wurden in der letzten Zeit nicht weniger. Sie stehen zudem dem technischen Fortschritt und besonders der Digitalisierung skeptisch gegenüber.

Politik und Verwaltung täten gut daran, diese Sorgen nicht nur ernst zu nehmen, sondern den Bürgerinnen und Bürgern Lösungen anzubieten. Doch gerade bei der Digitalisierung tun sich staatliche Institutionen schwer, den Nutzen für die Bevölkerung zu kommunizieren. Konkrete Beispiele sind die sogenannte Flüchtlingskrise, in der sich wie unter einem Brennglas Ängste und Probleme kulminieren und die allgemeine Politikverdrossenheit.

Bund und Länder sind in der Pflicht, die Kommunen, welche die Integrationsarbeit vor Ort leisten müssen, zu unterstützen. In einigen Kommunen funktioniert dies auch besser, als zuletzt aus den Medien zu entnehmen war.

Soziale Netzwerke und Online-Tools

Integreat heißt eine kommunale App für Information und Integration. Entwickelt unter anderem von der TU München bietet die Software viel Nützliches für Städte, Landkreise und Initiativen, um Flüchtlinge und Migranten das Einleben in Deutschland zu erleichtern. Mehrsprachig angelegt ist die Kommunikation zwischen Institutionen und Neuankömmlingen, aber auch Helfenden gewährleistet.

UrbanLabs ist der Name einer Stadtentwicklung, die in Mannheim von Migranten unter dem Stichwort Urban Design Thinking in kreativen Workshops vorangetrieben wird. Ziel ist eine ressourceneffiziente Stadt, die unter sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Aspekten vielfältig und ausgewogen aufgestellt ist. Urbane Innovationen treffen hier auf neue Beteiligungsmodelle sowie Integrationsprojekte.

Gerade die sozialen Netzwerke tragen zur Willensbildung bei. Doch hier gibt es zwei Seiten der Medaille. Neben konstruktiven Diskussionen und innovativen Beiträgen finden sich unflätige Beschimpfungen und selbst Drohungen gegen Entscheidungsträger. Die Sitten sind gerade in den Sozialen Medien rau. Dennoch – Online-Petitionen sowie Transparency-Tools sind wichtige Instrumente der sogenannten E-Partizipation und als fester Bestandteil zukünftiger Politik- und Verwaltungsprozesse nicht mehr wegzudenken.

Eine der Stärken Deutschlands ist der Föderalismus – doch dieser ist bedroht

Die einzelnen Länder sind zu Recht stolz auf ihre Eigenständigkeit gegenüber der Bundesregierung. Dies schafft Vielfalt, wie auch die Unterschiede zwischen Stadt und Land sowie Tradition und Moderne. Doch das Gleichgewicht ist bedroht, Landflucht und aus allen Nähten platzende Städte sind in Ost und West gleichermaßen anzutreffen. Um dem entgegenzuwirken, muss die Lebensqualität auf dem Land erheblich verbessert werden.

Die Aktivierung der Bürgerschaft

Bürgerbeteiligung stärkt die Demokratie – und die Digitalisierung kann dabei helfen. Technisch basierte Beteiligungsverfahren können das Know-how der Bürgerinnen und Bürger schnell und einfach in die Entscheidungs- und Umsetzungsprozesse einfließen lassen. Und natürlich die Willensbildung und -äußerung unterstützen.  Doch Vorsicht ist geboten – nicht digital-affine Bevölkerungsgruppen werden bei dieser Politikform zusätzlich abgehängt. Öffentlichkeitsarbeit und vor allem die Bereitstellung nutzbarer Internettechnologien sowie Infrastruktur sind wichtig.

Cloudbasierte Anwendungen sind ein weitere Möglichkeit, Kommunikation und Zusammenarbeit zu stärken. Nicht jede Software muss von den einzelnen Usern angeschafft werden, die Nutzer können durch Clouds Kosten sparen.

Neue Konfliktlinien der Demokratie

Populäre Wahl ist der Name einer aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung. Diese geht auch auf die Ergebnisse der Bundestagswahl 2017 ein, deren zentrales Ergebnis die Erosion der bürgerlichen Mitte mit zeitgleichem Gewinn der populistischen Parteien ist – allen voran die AfD.

„Die AfD wurde ganz überwiegend von Menschen gewählt, die der sozialen und kulturellen Modernisierung zumindest skeptisch gegenüberstehen“, so die Bertelsmann-Stiftung in einer Pressemitteilung vom 6. Oktober 2017. Die Konfliktlinien verlaufen demnach nicht mehr wie lange von den Medien kommuniziert zwischen Ost und West, sondern zwischen Modernisierungsgewinnern und Modernisierungsverlierern.

Die Digitalisierung bietet riesige Möglichkeiten, den demokratischen Prozess zu stärken, auszubauen und die gesellschaftliche Teilhabe zu verbessern – solange der Weg begleitet wird, denn Digitalisierung darf kein Selbstzweck sein. Lokale und regionale Besonderheiten bzw. Anforderungen stehen dabei an erster Stelle, wie auch die Einbeziehung der jeweiligen Dialoggruppen von Anbeginn des Prozesses.   

Dies alles umzusetzen kostet nicht nur Zeit, sondern auch Geld. Fördergelder auf Landes-, Bundes- und Europaebene stehen jedoch bereit.

Stefan Gauly

Diplom-Politologe und Referent für Unternehmenskommunikation

SMART HABITAT – Eine Chance für Städte und Gemeinden

Die Städte und Gemeinden stehen heute vor riesigen Aufgaben. Die Mitarbeiter der Städte und Gemeinden sind die ersten Ansprechpartner für alle Themen, die ihre Bewohner bewegen. Und diese Themen sind in den letzten Jahren nicht weniger geworden. Und nun sollen sie sich auch noch um die Digitalisierung kümmern. Während eines Gesprächs mit Marc Groß vom KGSt erzählte er mir, dass er bei Workshops mit Vertretern von Städten und Gemeinden mehrfach genau auf dieses Problem angesprochen wurde – noch ein Thema, das Mitarbeiter und Budget belastet. Ist das wirklich so?

Auf diese Frage möchte ich mit den Worten von der Staatspräsidentin von Estland, Kersti Kaljulaid, am Neujahrsempfang des Bundesverbands Mittelständische Wirtschaft antworten:

„[…]Wir haben in Estland nicht mit der Digitalisierung begonnen, weil wir verstanden haben, was uns das bringen konnte. Wir haben damit begonnen, weil wir als kleines Land schlicht und einfach ein Problem mit unseren Budgets hatten. Die Digitalisierung hat uns zu Beginn dabei geholfen, eine hohe Servicequalität für unsere Bürger zur Verfügung zu stellen und gleichzeitig die Budgets und unsere Kolleginnen und Kollegen in den Verwaltungen zu entlasten. […] Aber zurückschauend kann ich sagen, dass die Digitalisierung für Estland deshalb gelungen ist, weil wir die Menschen und Unternehmen, ihren Bedarf an schnellem Datenaustausch und Identitätsverifizierung als das Wichtigste bei der Veränderung im Blick hatten.[…]“

Trotzdem sind es weiterhin separate Projekte, die Sie erst einmal stemmen müssen. Dieses Problem bleibt bestehen, oder? Nun, diese Meinung vertrete ich nicht. Zumindest nicht dann, wenn Sie einen bestimmten Prozess ohnehin überarbeiten, bzw. darüber nachdenken, wie Sie den Bewohnern Ihrer Stadt oder Gemeinde einen leichteren Zugang zu ihren Angeboten ermöglichen. Zumindest in diesen Fällen ist es noch nicht einmal zusätzlicher Aufwand, Sie müssen schlicht die Möglichkeiten der modernen IT mitdenken. Fähige Berater mit einer vernünftigen Kostenstruktur finden Sie häufig auch in der Nähe.

Aber lassen Sie uns einen Schritt zurückgehen und ein Beispiel nutzen. Während einer Konferenz in Berlin hatte ich die Möglichkeit, mit einem Mitarbeiter des finnischen Innenministeriums zu sprechen. Er erzählte mir, dass er die Veranstaltungen verwechselt hatte und nur versehentlich bei uns in der Diskussion um Digitalisierung gelandet sei. Er habe eigentlich die Veranstaltung besuchen wollen, bei der mögliche Wege zur besseren Zusammenarbeit zwischen den Ministerien und Ehrenamtlern diskutiert werden sollten. Auf meine Antwort, dies sei doch eine perfekte Möglichkeit, „Digitalisierung“ einzusetzen, fragte er nur, wie ich denn zu dieser Aussage käme. Nun, über Messenger, wie beispielsweise Hoccer oder Threema können solche Kommunikationswege genutzt entsprechend der deutschen Datenschutzgesetze genutzt werden, so die deutsche Verbraucherschutzzentrale. Durch diese dezentrale Kommunikation über Gruppen können sich die Ehrenamtler dann auch gegenseitig unterstützen, wenn das Ministerium gerade nicht zur Verfügung stehe. Seitdem befinden der Herr aus Finnland und ich uns in regem Austausch zu diesen Themen. Gekostet hat das finnische Innenministerium bisher nahezu nichts. In meinen Augen ein perfektes Beispiel, wie man mit minimalem Budget eine zielgruppengerechte Lösung entwickelt und so Kommunikation für alle Beteiligten vereinfacht.

Eine weitere wichtige Frage ist die Zukunftsfähigkeit einer solchen Lösung. Wie können Sie sicherstellen, dass Sie nicht heute eine Software für einen bestimmten Prozess einführen, die Sie morgen schon nicht mehr nutzen können, weil sie die entsprechenden Schnittstellen zu Lösungen auf Landes- oder Bundesebene nicht zur Verfügung stellt. Dieses Problem ist in der heutigen Zeit jedoch nur noch bedingt vorhanden. Schnittstellen zwischen Programmen sind heute Standard und können auch kurzfristig nachträglich eingebaut werden. Sie können sich das in etwa so vorstellen, als ob Sie von Ihrem Android-Telefon eine Nachricht auf ein iPhone schicken. Die beiden Betriebssysteme können zwar nicht direkt miteinander kommunizieren, trotzdem werden die Kontaktdaten im gleichen Format gespeichert und können problemlos und schnell übertragen werden.

Wichtig ist an dieser Stelle jedoch etwas anderes. Wenn Sie über die Digitalisierung nachdenken, stellen Sie nicht die Digitalisierung an die erste Stelle. Denken Sie darüber nach, was Sie genau tun möchten. Überlegen Sie beispielsweise, Ihren Bürgern die Meldung an das Einwohnermeldeamt zu vereinfachen, dann überlegen Sie, welche Daten zu welcher Zeit nötig sind und wer in Ihren Ämtern diese Daten weiter bearbeitet. Erst wenn Sie diese Informationen gesammelt haben, sprechen Sie mit „der IT“. Gehen Sie immer von der Aufgabe aus, die Sie lösen möchten. Erst wenn die Aufgabe definiert ist, kann die IT Ihnen helfen diese sinnvoll zu lösen. Das Zentrum sind Sie und Ihre Aufgaben als Stadt und Gemeinde. Nicht der Dienstleister. Digitale Produkte sind nur die Werkzeuge, die Ihnen dabei helfen können, Ihre Aufgaben zu erfüllen.

Wen sollten Sie aber ansprechen, wenn Sie ein solches Werkzeug nutzen möchten? Einen Dienstleister? Einen Berater? Nun, in meinen Augen sollten Sie zuerst einmal nach Personen in Ihrem Umfeld suchen, die ein derartiges Projekt schon einmal umgesetzt haben. Suchen Sie eine Gemeinde oder eine Stadt, die ein ähnliches Problem oder einen ähnlichen Prozess angegangen ist und bei der Umsetzung erfolgreich war. Auf diese Weise erhalten Sie erste Tipps und Ideen, aber oft auch Ideen, wo Sie eventuell stolpern könnten. Außerdem erweitern Sie auf diese Weise Ihre Netzwerk und haben mit ein wenig Glück die Chance auf einen kontinuierlichen Austausch zu den für Sie relevanten Themen, ohne dass Ihnen jemand direkt etwas verkaufen möchte.

Wie technologiebasierte Innovationen unsere Lebensräume verändern – Fragen an Gerald Swarat, Keynote-Speaker

Im politischen Diskurs hört man immer wieder, dass die Themen Digitalisierung und Vernetzung vorangetrieben werden müssen. In diesem Kontext wird gerne der Begriff “Smart City” verwendet, der sich in der Realität häufig nur als leere Floskel entpuppt.

Fakt ist, dass nicht nur Städte, sondern auch Kommunen nach zukunftsbeständigen Lösungen für die alltäglichen Probleme ihrer Bürgerinnen und Bürger suchen und am Thema digitale Vernetzung nicht vorbei kommen. Daher werden bereits verschiedene “smarte” Konzepte, wie z. B. die intelligente Steuerung von Straßenbeleuchtung und Lichtsignalanlagen sowie die optimierte Erfassung und Steuerung von Verkehrsströmen erprobt.

Die Sprecher der SMART HABITAT sind keine Theoretiker, die erklären können, was möglich wäre. Sie kennen sich mit dem Thema aus, weil sie entweder selbst Umsetzer sind oder bei der Umsetzung von Projekten geholfen haben. Gerald Swarat ist einer von ihnen und wird eine Keynote darüber halten, wie technologiebasierte Innovationen unsere Lebensräume verändern.

Herr Swarat, könnten Sie sich bitte kurz vorstellen?

Ich leite das neugegründete Berliner Kontaktbüro des Fraunhofer IESE aus Kaiserslautern, bin 35 Jahre alt und von Haus aus Historiker und Germanist. Aus diesem Grund interessieren mich die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Gesellschaft im Allgemeinen und ganz konkret auf unser Leben in den verschiedenen Phasen, was z.B. sowohl die Gemeinschaft, Mobilität, Verwaltung als auch Gesundheit/Pflege umfasst.

Die Uhr lässt sich nicht zurückdrehen. Darum gilt es, die heutige Verantwortung wahrzunehmen und an einer Zukunft zu arbeiten, in die ich auch noch meine kleine Tochter entlassen möchte. Die wird nicht nur analog sein, aber auch nicht nur digital. Wir müssen also Möglichkeiten testen, Grenzen ziehen und neue Perspektiven austarieren. Das gelingt nur, wenn wir uns auf die Lichtung wagen. Und das sollten wir nicht nur Juristen und Informatikern überlassen.

Ihr Interesse gilt Smart Cities und digitalen Dörfern. Wie kam es dazu?

Der Berliner Thinktank Internet & Gesellschaft Collaboratory e.V., Gott hab ihn selig,  hat 2014 das erste Mal in einem zivilgesellschaftlichen Multistakeholder-Ansatz das Thema SMART COUNTRY in die Berliner Digitalblase eingebracht. Ich hatte das Glück, durch Dirk Arendt in die Projektleitung zu rutschen. Wir haben dort festgestellt, dass neben dem häufig aus dem Marketing heraus getriebenen Smart-City-Ansatz großer Konzerne die smarte Region sträflich vernachlässigt wird. Diese besitzt aber viel Potential, und deshalb gilt es, die Kommune und die in ihr lebenden Menschen ins Zentrum der Bemühungen zu rücken.  Dies ist eine der positiven Visionen der digitalen Möglichkeiten.

Das Thema SMART CITY ist in aller Munde. Warum werden ländliche Regionen noch nicht bei der Debatte aktiv berücksichtigt?

Es wird immer davon gesprochen, dass Deutschland seine Stärke aus der regionalen Vielfalt und der über das Land verteilten KMU und Hidden Champions zieht, die natürlich zum Großteil außerhalb der Top 5 der Großstädte liegen. Dennoch – die Regionen sind offenbar der hässliche kleine Bruder der Smart City, das muss man so sagen. „Da leben komische Leute, da riecht es nach Tier, kein Netz, kein Kiez, kein Späti.“ und so weiter…

Zugegeben ist dies etwas überspitzt wiedergegeben, aber so war bis vor einigen Jahren der Grundtenor. Allerdings verändert sich etwas momentan, denn auch wenn die jungen Leute zum Studieren natürlich in die Städte ziehen existiert wieder eine romantisch gefärbte Gegenbewegung. Diese schlägt sich nicht mehr nur in den Zeitschriften nieder, sondern kommt sicherlich auch aus den Städten heraus – Stichwort „Coconat“. Das kann Schule machen, sofern der erweiterte Speckgürtel der großstädtischen Ballungszentren seine Hausaufgaben macht. Ein gutes Beispiel ist Stendal. Erst kürzlich habe ich mit einem Bekannten gesprochen, den es dort hinzieht. Warum auch nicht – günstig und gut wohnen, eine eigene Community aufbauen und 50 Minuten mit der Bahn zum Hauptbahnhof.

Aber natürlich lohnt es sich auch für die Unternehmen nicht unbedingt genügend, die ja bereits in die Smart Cities investieren, in den ländlichen Raum Geld zu stecken. Hier geht es um die Gewährleistung der Daseinsvorsorge, nicht um die Perfektionierung des Hamburgers Hafens.  

Herr Swarat, was war Ihre Motivation, sich aktiv an unserer Konferenz zu beteiligen?

SMART HABITAT ist ein umfassendes Programm, das nicht vorab zwischen Städten, Dörfern und Regionen trennt und direkt die Bewohner in den Mittelpunkt stellt.

Was fehlt Deutschland Ihrer Meinung nach auf dem Weg zum Smart Country?

Es muss ein strategischer Ansatz gefunden werden, der den Willen zeigt und umsetzt, die ländlichen Räume als lebenswerten Lebens- und volkswirtschaftlich bedeutsamen Arbeitsraum zu erhalten. Es ist ein Fehler, sich nur auf die Städte zu fokussieren und das Land abzuwickeln. Da ist auch mittlerweile ein Umdenken erfolgt, allerdings bleibt vieles Stückwerk. Ein Flickenteppich wenig durchdachter Einzellösungen, die sonst nirgendwo funktionieren und geringe Ansprüche an Qualität und Sicherheit haben. Und das führt letztlich nur zu weiterer Frustration der Digitalisierung gegenüber – wobei wir doch momentan vielmehr an einer positiven Vision arbeiten müssen im Angesicht der Debatte um Automatisierung und Robotisierung der Arbeitswelt.

Dazu braucht es die Unterstützung des Bundes ebenso wie eine Kooperative der Länder und Kommunen zur Entwicklung vor Ort. Die Politik muss den Menschen die Sorge vor dem Zurückbleiben nehmen, denn die Zukunft gehört nicht den Codern allein. Das ist der entscheidende Gestaltungsauftrag an die Politik! Die Bürger erwarten Transparenz und Offenheit in den Entscheidungsprozessen sowie Möglichkeiten zur Beteiligung. Das Wissen und die Initiative der Bürger sowie der Unternehmen muss in diese Prozesse einbezogen werden und dies gelingt durch digitale sowie partizipative Verfahren umfassender und transparenter denn je. Wir können es uns nicht leisten, mehr Vertrauen in die demokratischen Repräsentanten, die Entscheider vor Ort und in die eigene Zukunft zu verlieren. Digitalisierung muss für alle da sein, denn sie bedeutet Teilhabe, Chancengleichheit und Zugang zu einer selbstbestimmten  Zukunft!

Wie gestaltet sich Ihrer Meinung nach das Zusammenspiel zwischen Mensch und Technologie in der digitalen Zukunft  in der Stadt und auf dem Land?

Digitale Strategien erhöhen nicht nur den Standortfaktor für die Wirtschaft, sie treiben auch die Verwaltungsmodernisierung in Richtung einer Problemlösungskompetenz und stärken die Zivilgesellschaft, indem sie z. B. politische Partizipation ermöglichen. Denn die Bürger von heute fordern Digitalisierung ein – und das nicht nur von privaten Unternehmen, sondern auch von ihrem Lebensraum, ihrer Stadt, in der sie sich bewegen, kommunizieren, leben und arbeiten. Die Politik muss dafür sorgen, dass die erforderliche Infrastruktur dafür bereitgestellt wird. Denn eine leistungsfähige Internetverbindung ist die Grundlage für das Gelingen der digitalen Transformation.

Auf Konferenzen darf nicht mehr über ein Mindestmaß an Bandbreite diskutiert werden, hier muss es vielmehr um Anwendungen gehen, die über die Banalität von Videokonferenzen hinausgehen. Denn für die in den nächsten Jahren auf den Arbeitsmarkt drängende Generation ist die volle Nutzung der modernen Technik in der Arbeitswelt eine Selbstverständlichkeit. Es geht also darum, die Potenziale der Digitalisierung für den ländlichen Raum im Ganzen zu entdecken, die unabdingbare Einflüsse auf die Lebensqualität der Einwohner haben

Wie stellen Sie sich persönlich den zukünftigen Lebensraum vor?

An einer Antwort zu dieser Frage haben sich schon ganz andere Persönlichkeiten verhoben. Ich denke aber, wir müssen nur sicherstellen, dass die technologischen Möglichkeiten dem Wohl der Menschen, der Gesellschaft und unserer Umwelt dienen und dass der gesellschaftliche Diskurs darüber, wie wir in Zukunft leben wollen, nicht der technologischen Entwicklung hinterherhängt. Digitale Souveränität erlangt eine Gesellschaft nicht von allein und per Knopfdruck. Es hilft wahrscheinlich nur ein langer Atem und ständiges Probieren und aus Fehlern lernen. Denn auch wenn die Digitalisierung schnell ist, so lassen sich Gewohnheiten, Vorurteile, Ängste und Kultur nicht über Nacht ändern.

DNA des Erfolges – Technische Innovationen im Einklang mit der Natur Dr. Martina Dressel im Gespräch

Startup Germany e.V. begrüßt mit Frau Dr. Martina Dressel eine Expertin für Prozessoptimierung als Speakerin. Ihre Keynote SMART HABITAT ALS DNA DES ERFOLGES greift die Frage nach der Determination des Menschen vor dem Hintergrund technischer Innovationen auf. Das bewusste Gestalten des persönlichen digitalen Lebensraums folgt einem ganzheitlichen Ansatz. Technischer Innovationen übernehmen eintönige Routinearbeiten.

Was ist/war die Motivation, sich aktiv an dieser Konferenz zu beteiligen?

MD: Als Internetpionierin lernte ich das weltweite Web kennen und nutzen als es noch in seinen frühen Kinderschuhen steckte. Ich erinnere mich gut an die Euphorie, die uns frühe Nutzer vereinte. Inzwischen ist so mancher unserer Träume geplatzt. Denken wir nur daran, wieviel Freude die ersten E-Mails in unserem Postfach auslösten. Und heute?

Dennoch: Internettechnologien bescheren uns inzwischen einen Komfort, wie sie noch keine Generation zuvor kannte. Aber wir sind aktuell weit davon entfernt, die gesündeste, gelassenste oder glücklichste Generation zu sein. Was lernen wir daraus? Eine Konferenz die sich einen patenten Lebensraum auf die Agenda setzt, kommt da wie gerufen. Das klingt nach bewusstem Gestalten, nach einem auf unser aller Wohlbefinden gerichtetem Fokus. Da passe ich hin.

Was tun Sie? Wo finden sich Schnittmengen zu Smart Habitat?

MD: Es ist die Optimierung von Prozessabläufen, die ich im Fokus habe. Als Verfahrenstechnikerin mit langjähriger Praxiserfahrung als Führungskraft in Forschung und Wirtschaft liegt mir das quasi im Blut. Technologie hat in erster Linie dem Menschen zu dienen und sich seinen Bedürfnissen anzupassen, NICHT umgekehrt! Aktuell beobachte ich Trends, dass Technologie genau den Aspekt des Wohlbefindens aus dem Auge verliert. Ich biete Impulse, wie es uns gelingt, dem vorzubeugen.

Dass ich dabei den Nerv vieler Anwender digitaler Technik treffe, zeigt die inspirierende Resonanz auf meine Vorträge der letzten Jahre oder auf meine Bücher zu den Themen E-Mail-Kommunikation, virtuelle soziale Netzwerke und aktives Zuhören. Dafür bin ich sehr dankbar.

Welchen Mehrwert können Sie den Konferenzteilnehmern bieten und inwiefern kann Ihre Expertise in diesem Kontext hilfreich sein?

MD: Zunächst habe ich bereits mehrfach vor kommunalen Auditorien vorgetragen; dies sowohl in internen als auch in „offenen“ Veranstaltungen wie dieser. Ich weiß diese Einblicke in ihre Perspektive, in ihren Alltag sehr zu schätzen, genau wie die Kommunikation auf Augenhöhe. Mit einigen bin ich seit Jahren weiterhin in Kontakt. Noch heute schmunzle ich über eine Begebenheit auf einer Veranstaltung 2014: Nach meinem Vortrag zum „Aktiven Zuhören“ übertraf die Resonanz am Büchertisch meine kühnsten Erwartungen: Ich hatte zu wenig Bücher dabei. Das war mir vorher noch nie – mit keiner Zielgruppe – passiert.

Wer – wie ich – die Lebensphase „Sturm und Drang“ inzwischen ersetzt hat durch eine der „Gelassenheit und Weisheit“ kann ein wertvoller Impulsgeber sein. In meinen Geschichten lasse ich andere an meiner eigenen Entdeckungsreise teilhaben. Wir schauen – durchaus auch humorvoll – hinter die Kulissen technischer Innovationen, wissenschaftlicher Forschung, der freien Wirtschaft, des Führungsalltags und unserer eigenen Gewohnheiten und Glaubenssätze, mit denen wir uns bei Veränderungen mitunter selbst im Wege stehen.

Wie gestaltet sich Ihrer Meinung nach das Zusammenspiel zwischen Mensch und Technologie in der digitalen Zukunft – in der Stadt und auf dem Land?

MD: Zum Erfolgsfaktor wird der ganzheitliche Ansatz. Beziehen wir beide unserer Gehirnhälften ein, statt die linke dominieren zu lassen, so gelingt es, Mensch und Technologie organisch miteinander zu verknüpfen. Ein Alexander von Humboldt vertiefte sich leidenschaftlich in mehrere Wissenschaftsgebiete und tauschte sich mit Fachleuten anderer Wissensgebiete aus, um ein „Gesamtbild zu zeichnen“. Dieses Gesamtbild – quasi unser Zieldiapositiv oder Zielvideo – sollten auch wir vor Augen haben. Da wird es sowohl Unterschiede zwischen Stadt und Land geben als auch zwischen den einzelnen Städten und Landstrichen. Entscheidend ist, dass alles auf das Wohlergehen der Menschen (als auch anderer Lebewesen) zielt. Es geht darum, dass sie ihr großartiges naturgegebenes Potenzial zum Nutzen von uns allen entfalten können. Technologie kann und sollte sie dabei zuverlässig unterstützen, ihnen treu und unbestechlich dienen.

Was erwarten die Teilnehmer in Ihrer Keynote-Rede? Warum sollten Vertreter von Städten und Kommunen teilnehmen?

MD: Aktuell optimieren wir Prozessabläufe in unserem Umfeld. Und was ist mit denen IN uns selbst, die uns vital bleiben lassen? Wie viele verlieren sich in technischen Spielereien, vergöttern Informationstechnologie wie einen Modetrend. Wie viele beherrschen die Funktionalitäten ihres

Smartphones besser als die ihres Körpers? Wie oft übertrifft die Fürsorge für das Auto die für den eigenen Körper? Wohin führt das? Zu weniger Krankheit, weniger Konflikten…? Was, wenn jeglicher Quellcode technischer Innovationen von der Natur abgeschrieben ist? Was, wenn wir uns unserer unschlagbaren Intelligenz bewusst werden, statt uns unsere Fähigkeiten klein reden oder uns sogar Angst vor Technik einreden lassen? Welchen Beitrag kann Smart Habitat dazu leisten?

Wie stellen Sie sich persönlich den zukünftigen Lebensraum vor?

MD: Es ist ein Ort des Wohlbefindens. Wir leben im Einklang mit der Natur. Das hält uns gesund. Uns umgeben und begegnen immer mehr Menschen, die Vitalität und Freude ausstrahlen. Es gelingt ihnen immer besser, Effizienz mit Leichtigkeit zu verbinden. Technik befreit uns von eintönigen, ermüdenden oder gesundheitsgefährdenden Routinearbeiten oder übernimmt solche, die ein Maß an Präzision oder Rechenleistung erfordern, für das der Mensch von Natur aus nicht ausgelegt ist (was weder Schwäche noch Mangel darstellt).

Damit gewinnen wir Raum für Kreativität und dafür, unsere „Batterien aufzuladen“. Internettechnologie befähigt Leute (nahezu), ortsunabhängig

  • – passgenau Informationen abzurufen,
  • – sich zu „zeigen“, sich in einem bisher ungekannten Maß selbst zu äußern, und
  • – Gemeinschaften zu finden oder entstehen zu lassen, in denen jeder Einzelne sein Potenzial einbringt und es entfaltet.

Das Internet verbindet uns über alle Grenzen hinweg miteinander. Was hält uns davon ab, diese Verbindung auch über das Internet hinaus zu erkennen, zu verinnerlichen und zu leben?

Der Vortrag von Dr. Martina Dressel findet am 8. November 2017 um 13:45 Uhr in Raum 2 statt. Anmeldungen zur Konferenz sind möglich.

Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, bitten um Registrierung auf der Veranstaltungswebseite unter https://techrally.org/smart-habitat-dd-2017/#ticket.

 

 

SMART HABITAT – eine starke Partnerschaft zwischen Startup Germany und dem BioInnovationsZentrumDresden

Dr. Bertram Dressel im Gespräch

Startup Germany e.V. freut sich, mit Dr. Bertram Dressel und dem BioInnovationsZentrumDresden (BIOZ) einen bei Innovationen erfahrenen Partner als Mitveranstalter gewonnen zu haben. Unsere Veranstaltung SMART HABITAT – Dresdner Konferenz zum intelligenten Lebensraum von morgen findet vom 7. bis 8. November 2017 im Konferenzbereich des BIOZ am Tatzberg statt und ist daher technisch bestens ausgestattet. Den inhaltlichen Fokus legen Dr. Bertram Dressel und Startup Germany e.V. auf die Auswirkungen, Chancen und Herausforderungen der technischen Innovationen innerhalb der Digitalisierung.

Im Gegensatz zum gängigen Smart City-Konzept umfasst der Smart Habitat-Ansatz auch ländliche Regionen, die im aktuellen Diskurs häufig übersehen werden. Unsere Veranstaltung richtet sich an Vertreter von Kommunen, Städten und Landesregierungen nebst Unternehmen, die sich den Herausforderungen der globalen Vernetzung stellen wollen und müssen.

Startup Germany e.V. hat sich im Vorfeld der Konferenz mit Dr. Bertram Dressel über wichtige Aspekte der Veranstaltung unterhalten.

Dr. Bertram Dressel ist bereits seit 2001 Präsident des Bundesverbandes Deutscher Innovations-, Technologie- und Gründerzentren e. V. sowie seit 1990 Geschäftsführer der TechnologieZentrumDresden GmbH. In diesen Funktionen ist er ein kompetenter Partner unserer Veranstaltung, bei welcher der Fokus auf dem fachlichen Austausch und der Bildung eines neuen Netzwerks liegt.

Allen von technischen Neuerungen Betroffenen, und das sind inzwischen die meisten von uns, geben wir Raum und Zeit zum Erfahrungsaustausch. Keynotes und Podiumsdiskussionen runden die Veranstaltung ab. Unser Anspruch: Inhalts-und zielorientierter Austausch statt Powerpoint-lastiges Monologisieren. Mit seiner Expertise der Begleitung von über 400 innovationsbasierten Unternehmensgründungen steht Dr. Bertram Dressel an der Spitze unserer Expertenriege.

Was ist/war die Motivation, diese Konferenz mit zu initiieren?

BD: Mit Schlagworten wie „Digitalisierung“ und „Smart City“ werden wir derzeit auf allen Kanälen konfrontiert. Aber was verbirgt sich hinter diesen Sprechblasen? Und – sind diese Ansätze wirklich geeignet, das Leben besser zu machen? Mit dem ganzheitlichen Ansatz von Smart Habitat wünsche ich mir Antworten auf diese Fragen sowie Anregungen für die Akteure, mit dem Thema bewusst und zielorientiert umzugehen.

Was ist Ihr Anspruch an die Konferenz?

BD: Mit der Konferenz soll ein erster Meilenstein gesetzt werden, die Entwicklungen im ganzen Land unter Nutzung digitaler Technologien inhaltsorientiert und zielorientiert zu gestalten. Aus der ersten Konferenz sollen weitere entstehen, gegebenenfalls mit fachlichem Fokus auf einzelne Elemente.

Wo kann Ihre Expertise in diesem Kontext hilfreich sein?

BD: Innovationen sind mein tägliches Umfeld. Seit 1990 unterstützt die TechnologieZentrumDresden GmbH über 400 innovationsbasierte Unternehmensgründungen. Da ist es selbstverständlich, sich für die sinnvolle Anwendung von innovativen Technologien im täglichen Leben zu engagieren.

Wie stellen Sie sich persönlich den zukünftigen Lebensraum vor?

BD: Ich glaube der zukünftige Lebensraum wird sich schrittweise aus unserem heutigen heraus entwickeln. Welche Lösungen dabei besonders erfolgreich sein werden ist sehr schwer vorherzusagen. Für mich ist wichtig, dass wir Menschen bewusst und selbstbestimmt leben und nicht abhängig oder hörig werden von technologischen Entwicklungen.


Seien auch Sie dabei und gestalten Sie die Zukunft mit! Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, bitten wir um Registrierung auf der Veranstaltungswebseite unter https://techrally.org/smart-habitat-dd-2017/#ticket.

SMART HABITAT: Neue Lösungsansätze für den zukünftigen Lebensraum

SMART HABITAT ist ein Thema, das im Zeichen von Globalisierung und Digitalisierung an Bedeutung gewinnt – schneller und umfassender als von vielen jemals gedacht. Digitale Lebensräume gibt es bereits in einigen Städten, bekannt als Smart Cities. Doch auch ländliche Kommunen und ganze Regionen befassen sich mit den Megatrends. Aus diesem Grund organisieren wir von Startup Germany zusammen mit dem BioInnovationsZentrum Dresden am 7. und 8. November 2017 die Konferenz „SMART HABITAT – Dresdner Konferenz zum intelligenten Lebensraum von morgen“.

Die Digitalisierung ist in vielerlei Hinsicht disruptiv. Wir müssen uns an die neuen Gegebenheiten, die oft genug riesige Chancen in sich bergen, anpassen. Da die Veränderungen bereits in vollem Gang sind, sind vor allem die im Prozess involvierten Menschen gefragt. Auch und vor allem bei der Konferenz SMART HABITAT. Daher bringen wir aus diesem Grund im November Fachleute aller Ressorts zusammen und lassen vor allem Best Practice-Beispiele für sich sprechen.

Noch erscheinen die digitalen Technologien oftmals unverständlich. Politik und Wirtschaft sprechen allgemein von „der“ Digitalisierung, ohne selbst den Begriff exakt definieren und mit Leben füllen zu können. Doch als reines Buzzword hilft Digitalisierung niemand. An dieser Stelle möchten die Organisatoren der Konferenz durch Praktiker und Best-Practice-Bespiele zeigen, was durch die digitalen Veränderungen möglich ist.

Der Anspruch. Weit mehr als ein Treffen mit Vorträgen – das Netzwerk zählt. 

Markus Schranner: „Die beiden Tage im November sind nicht nur die Auftaktveranstaltung, sondern symptomatisch für den Gedanken von Smart Cities. Die Vorträge schaffen eine gemeinsame Basis, sind aber kein Selbstzweck. Unser Anspruch mit jeder Konferenz ist es, einen echten Mehrwert zu schaffen. Das eigentliche Ziel ist der Aufbau des Netzwerks.“

Unter Gleichgesinnten entsteht oft eine besondere Energie, Lösungsorientierung ist einer der gemeinsamen Nenner der Konferenzteilnehmer. So unterschiedlich die Fachgebiete und Ansätze auch sein mögen – am Ende steht stets der Austausch und die praktische Umsetzung gefundener Wege im Vordergrund. Der Fokus liegt explizit nicht auf einem bestimmten Thema oder einer Branche, da dies oft die Augen für neue Lösungen verschließt. Die Konferenz als auch der Verein Startup Germany nutzen Konzepte und Technologien, die Innovationen methodisch und didaktisch fördern. Instrumente wie Deep Learning sowie andere Maschinenlernverfahren, Big Data und Datenanalyse allgemein, Virtual Reality und vieles kommen zum Einsatz. Erfahrungsgemäß entwickeln sich die innovativsten Lösungen, wenn Personen aus verschiedensten Fachbereichen offen austauschen. Hier ist Startup Germany e.V. dank Umsetzungserfahrung sowie Expertise im Eventmanagement der perfekte Ansprechpartner.

Der Ausblick. Ein zukünftiger digitaler Lebensraum mit gesellschaftlicher Verantwortung.

Kreativität und Innovationen finden in der komplexen Welt von heute wenig Raum. Menschen sind zu sehr in täglichem Trott und Vorschriften seitens des Gesetzgebers verhaftet. Digitalisierung kann hier eine Lösung sein, denn IT trägt zur Vereinfachung administrativer Aufgaben bei.

Vorschriften und Zwänge regulieren den Alltag vieler. Diese Regulierungen mögen Korruption verhindern, Kosten für gesellschaftliche Aufgaben reduzieren und auch an anderer Stelle ihre Berechtigung haben. Doch gerade schwächere Mitglieder der Gesellschaft fühlen sich an dieser Stelle oft überfordert. Wer finanziell besser ausgestattet ist, investiert hohe Summen in Helfer. Das ist nicht nötig, wenn sich die Gesellschaft, Politik und Verwaltung auf Prozesse einigt und diese mit Hilfe der IT umsetzt. Auf diese Weise werden nötige administrative Aufgaben vereinfacht und automatisiert. Weniger Verwaltung und mehr Raum für Kreativität und Innovationen.

Wir hoffen in diesem Zusammenhang auf den Aufbruch in eine neue Gründerzeit. Die Konferenz SMART HABITAT möchte dazu einen Beitrag leisten.

Anmeldungen sind nun möglich. Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, bitten um Registrierung auf der Veranstaltungswebseite unter https://techrally.org/smart-habitat-dd-2017/#ticket